An, Su-Kil
EINE
UNMÖGLICHE LIEBE
Erzählungen, 144 S., frz Br., aus dem Koreanischen,
übersetzt und Nachwort von Alissa Walser und An In Kil. 10,-,
ISBN 3-88769-323-X
Zarte Liebes- und andere Lebens-Geschichten aus 30 Jahren in
Korea. Die Liebe wird oft durch die Umstände nahezu unlebbar.
Doch die Erzählungen entfalten eine sanfte Intensität. Eine
fremde Welt? Beschrieben, überschrieben von den Erinnerungen an
eine ferne Zeit historisch anmutender Verhältnisse,
Umstände, Situationen im (immer noch) geteilten Korea: in einer
Sprache, die an der Konvention zweifelt und von den Konventionen
spricht, an denen ihre Figuren verzweifeln. Das unfallartige
Aufeinandertreffen von Raum und Zeit, Geschlechtern und Gesetzen,
Ideologien und Ideen, das uns in Deutschland, bis auf die Fremdheit
der Namen, so fremd nicht sein kann ...
Aus dem Nachwort von Alissa Walser und An In-Kil
Korea, eines der letzten, politisch geteilten Länder der
Staatengemeinschaft, beruft sich auf eine über siebentausend
Jahre alte Tradition, die kulturell nur noch von Fachleuten den
Koreanern zugeschriebene Meilensteine - wie zum Beispiel eine
phonetisch begründete, einheitliche Schriftsprache oder die
Erfindung des Drucks von Metallstöcken, zweihundert Jahre vor
Gutenberg - aufstellte. Die von Teilung und Reanimierung kaiserlicher
Dynastien geprägte, diese engstens mit China verwobene und
dennoch homogene Nationalität, deren Türen trotz allem
offenstanden für unterschiedlichste religiöse
Einflüsse und Niederlassungen (Konfuzianismus, Buddhismus,
Christentum), wurde 1910 ein letztes Mal von Japan besetzt und erst
nach fünfunddreißig Jahren, am Ende des Zweiten
Weltkrieges, von japanischem Protektorat befreit. Seit dem
Dreijährigen Krieg von 1950-53, den wir in Europa Koreakrieg
nennen, ist Korea geteilt. Im Norden herrschte Kim Il-Sung - der
Vater des heute noch herrschenden Kim Jong-Il - und im Süden,
sein antikommunistisches Pendent, Park Chung-Hee, der erst 1979 die
Macht an eine gemäßigtere Regierung verlor. Seit den 90er
Jahren des 20.Jahrhunderts ist Südkorea das, was wir eine
Demokratie nennen.
Der in Korea berühmte und vielgelesene Dichter An Su-Kil, der mit diesem Band Erzählungen nun auch deutschen Lesern zugänglich gemacht wird, wurde am 3.November 1911 - also ein Jahr nach der Besetzung durch die Japaner - geboren, und starb am 18.April 1977, siehe oben: zwei Jahre bevor die vom Militär dominierte Regierungszeit des Park Chung-Hee zuende ging. Will heißen: die Literatur An Su-Kils ist von einer Atmosphäre wechselnder Diktaturen und äußerem wie innerem Exil geprägt.
Leseprobe:
Schau, ein Flugzeug, eine Maschine - wie eine Libelle.«
Über dem abgelegenen Gipfel im klaren Feld des hellblauen
Himmels erschien ein Flugzeug mit leise dröhnenden Propellern.
Buni unterbrach sich bei der Maisernte und rief fröhlich wie ein
Kind, das zum ersten Mal ein Flugzeug sieht.
»Herrlich!«
Auch die Schwiegermutter blickte in dieselbe Richtung. Mittlerweile
flog das Flugzeug schon über den Weidenwald am Bächlein,
sein Libellenkörper wurde größer.
»Wie schnell es fliegt, vielleicht sitzt unser Soldat drin. Ach,
es blendet mich.«
Eine Hand an der Stirn, mit der anderen winkend, sah sie hoch zu dem
Flugzeug über ihren Köpfen, das im Sonnenschein blinkte.
»Mit dieser Maschine könnte man blitzschnell in Seoul
sein.«
Die Schwiegermutter, die sich immer schon nach Seoul zurück
gesehnt hatte, starrte der der Maschine hinterher. Buni aber sehnte
sich mehr danach, zusammen mit Yi im wolkenlosen, freien, hellen Blau
des Himmels davonzufliegen. Auch bei ihrem letzten Treffen, vor
einigen Tagen, nachts, hatte er sie wieder zur gemeinsamen Flucht
aufgefordert. Die Flugmaschine war vorüber, Himmel und Feld
wieder allein mit dem trockenen Geräusch der Maisernte, die im
Wind knisterte. (Der
Anfang der Erzählung Herbstaster)
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