Erotische Literatur von Frauen

 

Die Wellen erotischer Literatur von Frauen türmen sich immer wieder einmal auf. Das deutsche Feuilleton hinterfragte den Erfolg des Buchs „Shades of Grey“ schon Wochen, bevor die deutsche Übersetzung überhaupt erschienen war. Nach Erscheinen wurde es Weltbestseller, alle Medien berichteten. Ein von Frauen fotografiertes und verfasstes Aufklärungsbuch avancierte ebenfalls zu einem Bestseller, führte zu TV-Aufklärungs-Sendungen.

Doch selbstbewusste emanzipierte Frauen, die über Erotik schreiben, sind nicht erst seit gestern angesagt. Der konkursbuch Verlag Claudia Gehrke bietet dieser Literatur seit Jahren ein Forum. Schon seit 1982 erscheint „Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik“. Es bietet Literatur, Kunst, Fotografie und Aufklärung (abgesehen davon, dass sich auch zwischen den Zeilen, in Literatur und durch die Diskussion über Bilder, die man oder frau mag oder nicht mag, sexuell und liebespsychologisch lernen lässt und nicht allein durch die sicherlich wichtige direkte sachliche Aufklärung). Der 1993 erschienene Roman „Die Geschichte mit A.“ von Dagmar Fedderke avancierte zu einem „modernem Klassiker“ über die „Lust selbstbewusster Frauen an der sexuellen Unterwerfung“ (inzwischen in der 8. Auflage). Der Roman „Gejagte“ oder die Erzählungen „Die Beute“, inzwischen in der 7. Auflage, von Phoebe Müller oder die in Übersetzung erschienenen Erzählungen „Die Nacht, als sich die Welt auflöste“ der amerikanischen Autorin Peggy Munson und die Erzählungen „Fischfang“ von Cornelia Jönsson (2013) zeigen, mit welcher Wortgewalt und Poesie emanzipierte Frauen über weibliche Sexualität schreiben. Die literarische Direktheit der Romane der Wiener Autorin Karin Rick (u.a. „Sex ist die Antwort, zuerst 1999 erschienen. Neuausgabe 2011) in der Beschreibung sexueller und körperlicher Vorgänge sucht ihresgleichen, auch in Zeiten der Texte von Charlotte Roche und Shades of Grey. Karin Ricks erklärte literarische Absicht war und ist es, aus feministisch-weiblicher Sicht Körperliches detailliert, unzensiert und ohne Weichzeichner zu beschreiben. Gekonnt über doppelbödige Gefühle und Sex, eingebettet in abgründige Geschichten über Liebe, schreibt auch die Autorin Ulrike Voss, von der inzwischen (Herbst 2013 erschien ihr Roman "Das dritte Mal") drei Romane vorliegen.


Diese Literatur von Frauen, die Sexualität aus weiblicher Perspektive erzählt, bietet eine Entwicklung der Charaktere und des Plots, nicht nur stereotype Beschreibungen. In den Geschichten ist Lust an der Hingabe spürbar, doch bleibt die Protagonistin „emanzipierte Frau“ und autonomes Subjekt. Im sexuellen Spiel zwischen Hingabe und Unterwerfung nimmt sich das Subjekt zurück. Das mag zunächst immer wieder von Neuem verstörend wirken, jedoch bleibt sie die „selbstbewusste Frau“, die ihre Sexualität manchmal mit "BDSM" auslebt und dabei souverän mit ihren Begierden umgehen kann. Dass dabei gefährliche Abrgünde und unauflösbare Widersprüche auftauchen können und die weibliche Hauptfigur sich in Frage stellen und an Grenzen geraten kann, auch davon erzählen Autorinnen des konkursbuch Verlages, wie zuletzt Phoebe Müller in "Gejagte".