konkursbuch Verlag Claudia Gehrke
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Mein bisexuelles Auge

Einladung zur Beteiligung an einem Buchprojekt

„Etwas bi schadet nie“ – zumindest in den 1970er Jahren war dies ein beliebter Spruch. Wer ihn äußerte, bekundete damit keck, gedanklich – eventuell sogar praktisch – quasi den Höhepunkt der „sexuellen Befreiung“ erreicht zu haben: Mit Angehörigen beider Geschlechter intim werden zu wollen – also möglicherweise mit der gesamten Menschheit.

Allerdings war Homosexualität, insbesondere männliche, damals noch sehr viel weniger akzeptiert als heute. Vielleicht rührt aus jener Zeit das schlechte Image, welches Bisexualität bei vielen Schwulen zu haben scheint: Sie steht unter dem dringendem Verdacht, lediglich eine Ausrede für „Klemmschwestern“ zu sein, die sich nicht vollends und eindeutig zu ihrer Homosexualität bekennen wollen; für Feiglinge, welche sich nicht aufs „andere Ufer“ zu wechseln trauen, sondern praktisch „auf der Brücke“ stehen bleiben, mit der Möglichkeit, jederzeit zur Heterosexualität zurückzukehren. Im Internet kann sich kaum jemand so heftiger Schmähungen durch Schwule sicher sein wie eine Person des öffentlichen Lebens, welche sich zu ihrer Bisexualität bekennt. Kommt ein solches Bekenntnis von einer Person, die bis dahin als schwul gegolten hat, gilt dies vielen als Fahnenflucht und Verrat.


Mit solchen Vorwürfen sehen sich auch bisexuelle Frauen konfrontiert. Dennoch liegt die Situation bei ihnen etwas anders, nicht nur weil weibliche Sexualität jeglicher Spielart lange Zeit nicht recht ernstgenommen wurde, was noch immer nachwirkt: Wenn Sex mit zwei Partnerinnen gleichzeitig und Sex zwischen Frauen zu den liebsten Phantasien des gemeinen heterosexuellen Mannes gehört, ist die für ihn attraktivste Frau natürlich eine bisexuelle. Ganz zu schweigen von der Vorstellung, diese Frau nachhaltig von den Vorzügen des angeblich starken Geschlechts überzeugen zu können – eine Möglichkeit, die sie wiederum zu einer unsicheren Kantonisten macht, im Zweifelsfalle aus heterosexueller Sicht wie aus lesbischer.

Erlebt man deshalb in Kreisen, in denen man beispielsweise gern die restriktive Aufteilung der Menschheit in männlich und weiblich beklagt, wie die Existenz von Bisexualität schlichtweg geleugnet wird? Darf deshalb für nicht wenige Angehörige der (angeblichen) „LGBT-Community“ ein jeder Mensch nur hetero- oder homosexuell sein? Und die Entscheidung für letzteres ist endgültig.


Aber sind denn nicht die gegenüber Schwulen entspanntesten heterosexuellen Männer solche, die schwulen Sex schon einmal in Erwägung gezogen oder ausprobiert haben, dabei aber feststellten, das ist nichts für sie? Und werden nicht viele Homohasser von der Furcht getrieben, allein der Kontakt mit Schwulen könnte bei ihnen Gelüste wecken, welche sie um jeden Preis unterdrückt halten wollen? Führt also nicht allein der Gedanke daran, Angehörige beider Geschlechter könnten mögliche Sexpartner sein, zu einem besseren gesellschaftlichen Klima? Und selbst wenn Bisexualität nur eine Ausrede darstellt – ist es nicht besser, seine Homosexualität unter diesem Deckmantel auszuleben, als überhaupt nicht?


In welchen Zeiten und Fällen diente Bisexualität wirklich nur als beliebte Ausflucht, um für sich selbst und/oder die Gesellschaft das Interesse an Angehörigen des eigenen Geschlechts zu rechtfertigen? Wann, wo und wie galt Bisexualität als „pikante“ Bereicherung oder wurde zumindest gern mit ihr kokettiert? Durften dies auch Männer oder vor allem Frauen? Wie hat sich der Blick auf Bisexualität, ihr Image im Laufe der Zeit gewandelt? Und wie akzeptiert ist sie heute, wo wir doch eigentlich endlich, nach fast einem halben Jahrhundert „sexueller Befreiung“, begreifen sollten, wie unendlich viele Spielarten von Sex und von Liebe und von Beziehungen es gibt, wobei jeder selbst das für ihn Passende herauszufinden hat? Welches sich womöglich im Laufe des Lebens ändert.


Sitzen Bisexuelle zwischen allen Stühlen und gehören nirgends richtig dazu? Ist der scheinbar große Vorteil – quasi mit allen „zu können“ – in Wahrheit ein großer Nachteil? Bleiben Bisexuelle unsichtbar, weil sie sich notgedrungen stets den Homo- oder den Heterosexuellen anschließen?

Wie sieht eigentlich bisexuelle Erotik aus, auch in Bildern, auch in Texten? Ist sie, wenn überhaupt, nur ab drei Personen aufwärts denkbar? Gilt gleiches auch für eine Bisexuelle erfüllende Partnerschaft? Funktioniert diese nur als Dreier- oder Viererbeziehung oder mit einem toleranten Menschen, der seinem bisexuellen Partner gelegentliche „Ausflüge“ erlaubt, damit dieser all seine Bedürfnisse befriedigen kann? Sind, weil all dies so schwierig ist, Bisexuelle nicht besonders glücklich, sondern besonders unglücklich? Und gehört Bisexualität in unserer angeblich so aufgeklärten, toleranten Gesellschaft vielleicht zu den letzten großen Tabus?

 


Solche – und andere – Fragen sollen in einem Buch behandelt, beantwortet oder auch einfach (am besten, um sich der Lust an der Bisexualität hinzugeben) kühn ignoriert werden. Der Band soll kein Ratgeber werden, auch keine Sammlung von Erfahrungsberichten und Lebensgeschichten. Er soll einen Schwerpunkt auf Erotik haben – wobei „Erotik“ eher als etwas verstanden wird, das im Kopf passiert, mit Phantasien und Vorstellungen zu tun hat, weniger auf dem simplen Zeigen von Nacktheit und/oder Sex beruht. Dies soll aber andere Beiträge nicht ausschließen, ganz im Gegenteil.


Wir suchen Kurzgeschichten, Essays, Gedichte, Satiren, Interviews ...

Und Fotografien, Gemälde, Zeichnungen, Cartoons ...


Entstehen soll eine bunte Mischung, die neugierig machen soll, auch und gerade all jene, die sich nicht unbedingt als bisexuell betrachten.


Der Tübinger Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke bringt neben vielen anderen Publikationen seit langem die erotischen Jahrbücher „Mein heimliches Auge“ (das ist multisexuell, hetero, schwul, lesbisch, bi ...), „Mein lesbisches Auge“ und „Mein schwules Auge“ heraus. Der dementsprechend mit dem Arbeitstitel „Mein bisexuelles Auge“ versehene Band ist ein – zunächst einmaliges – Unterfangen, dieses Spektrum zu vervollständigen.

Das Erscheinunsdatum der bisexuellen Ausgabe steht noch nicht fest.

Bildbeiträge bitte per E-Mail oder per Post auf CD inkl. kleinem Ausdruck der Bilder einsenden (als jpg oder tif, Auflösung mindestens 300 dpi, Bildgröße 12-15  cm breit.)

Textbeiträge entweder als Mail-Anhang (als rtf- oder als Word-Dokument) einsenden oder per Post auf CD inkl. Ausdruck.


Für das Autorenverzeichnis bitte eine kurze Selbstdarstellung im Umfang von 5-10 Zeilen mit biografischen und/oder bibliografischen Angaben beifügen.


Wenn wir Ihre Zusendung für das Buch auswählen, brauchen wir dann noch Ihre Bestätigung, dass mit dem Beitrag keine Rechte Dritter verletzt werden und dass der Beitrag in der Anthologie veröffentlicht werden darf. Ihr Beitrag sollte vorher noch nirgendwo veröffentlicht sein. Selbstverständlich erhalten Sie Belegexemplare und können nach Erscheinen im bisexuellen Auge Ihre Texte/Bilder auch anderweitig verwerten.

Adresse des Herausgebers:

Jan Gympel

Admiralstraße 3

10999 Berlin

E-Mail: meinbiauge@yahoo.de

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