Editorische Vorbemerkung:

Wir fragten für dieses lesbische Auge nach Sextechniken, danach, wann sie erlernt wurden, von und mit wem. Vielleicht eine auf den ersten Blick allzu simple Frage. Oder gar eine überflüssige? Schließlich betreiben wir alle Sex und beherrschen heutzutage selbstverständlich jede Variante, von kuscheligem Blümchensex über ausgefeilte Dildo-Spiele bis zum heftigen Quickie. Von zart bis hart. Einfach alles und das problemlos. Oder etwa nicht?

Wir gehen jedoch davon aus, dass nahezu alles erlernt werden muss, dass nichts selbstverständlich ist. Aus diesem Grund beschäftigten wir uns in diesem Band auch besonders mit der Sprache. Obwohl weibliches und damit lesbisches Sprechen und Schreiben schon in den siebziger und achtziger Jahren von Frauen ausgiebig untersucht wurde, erscheint es uns auch 2008 noch aktuell. Oder gerade wieder: let's talk about sex. Die meisten Frauen sagen uns, Reden sei das Wichtigste, stehe an erster Stelle, egal, ob es darum geht, was sie im Bett tun oder wie sie eine Liebesbeziehung führen. Doch wie reden wir über Sex? Wie benennen wir unseren Körper, den Körper der anderen, Stellen, an denen wir berührt werden wollen oder die erotische Berührung selbst? Hat sich der Sprachgebrauch in den letzten dreißig Jahren verändert, gibt es Begriffe, die viele mögen, und andere, die fast keine goutiert, sozusagen Unworte? Wir befragten eine repräsentative Auswahl von Lesben zwischen 23 und 62 über ihre verbalen Gepflogenheiten, ihre Vorlieben und Abneigungen.

Um Worte geht es neben den vielen Bildern im lesbischen Auge ja immer. Um Worte, mit denen ein erotischer Text geschrieben wird oder ein Essay über Beziehungsformen, eine Abhandlung über Liebeskummer oder ein Brief an die Geliebte. Um Worte, die uns entweder anmachen, erregen, uns heiße Wellen durch den Körper jagen, wenn die Geliebte sie ausspricht (vielleicht auch die Schamröte ins Gesicht) oder uns abstoßen oder sogar ekeln.

In diesem Sinne hoffen wir, dass Sie beim lesbischen Auge auf Ihre Kosten kommen, dass Sie in den vielen unterschiedlichen Texten Worte finden, die Ihnen gefallen, die Sie anregen, möglicherweise auch bereichern. Und wer weiß, vielleicht reden Sie beim Blättern und Lesen in diesem Buch mit Ihrer Geliebten darüber, was Sie eigentlich voneinander hören wollen und was nicht, welche Worte nur in Gedanken unschön sind, aus ihrem Mund jedoch sexy.