Aus dem Vorwort

Immer schon hat Krista Beinstein erogene Regionen erforscht, zu denen uns der Zutritt üblicherweise nicht leicht fällt. Die Atmosphäre des Hafens, fremder Kulturen, Tantra, Schamanismus, okkulte Rituale, Androgynität, Frauen, das Rotlichtmilieu. Vor allem Frauen. Krista ist eine der WegbereiterInnen für viele, die sich heute mit Selbstverständlichkeit der Symbolik grenzüberschreitender erotischer Spiele im Alltag und in diversen Kunstgenres bedienen. Diese Bilder in die Welt setzen, bedeutet auch Welten ins Leben rufen, wo die existierenden zu eng werden. Krista hat ein erotisches Universum erschaffen, das sich weit jenseits der gewohnten Schönheits- und Begehrensideale abspielt.

In diesem Buch geht es nicht mehr ausschließlich um Frauen. In diesem Buch geht es um Narzissmus und der Narziss im Spiegel kann auch ein Mann sein. Ein schwuler Mann . Das Buch handelt vom schwulen Begehren der Frau.

Was geschieht wenn eine Frau ihren Cruising Pack schnürt und loszieht. Warum überhaupt diese Lust nach anonymem Sex, nach den flüchtigen Blicken im Dickicht, nach den schnellen, heißen Berührungen in der Dunkelheit. Krista nennt es ihren männlichen, ihren schwulen Narzissmus, das Spiegelbild, das man nicht nur sein, sondern auch haben will. Es ist ein neues Abenteuer, einzudringen in den männlichen Kosmos.

Wenn man flüchtig in den Spiegel schaut, sieht man nur ein Bild vis à vis. Schaut man lange hin, tauchen andere Gesichter auf. Alte Gesichter oder die Bilder von denen, die einen irgendwann einmal angeschaut haben. Vielleicht sind die, die wir im Spiegel sehen, auch Gestalten, die wir uns erfinden und irgendwo da draußen wirklich treffen könnten. Isaac und Pascal sind zwei davon...