Der Anfang des Romans

 

Die Frau neben ihm atmet leise, und mit jedem Heben und Senken ihrer Brust unter dem dünnen Laken kommt ein kleiner Schwall ihrer Wärme zu ihm hinüber, fächelt an seinem Gesicht vorbei und füllt seine Nase mit schlaftrunkenem Duft. Mit dem Duft, der dann am Tag vergangen sein wird, unauffindbar hinter Seife und Parfum, hinter Creme und Kleid, hinter Lippensalbe und Haarfestiger. Hinter leeren, wehrenden Gesten und Worten.

Der Duft der Frau macht ihn traurig. Er ist traurig, dass sie gelernt hat, ihn vor ihm zu verstecken. Er ist traurig, dass sie so nett geworden sind, so nett zueinander. Es macht ihn verrückt.

Es ist noch dunkel. Finster fast. Aber es ist ein Hauch in der Finsternis, der den Beginn des neuen Tages verspricht. Bogdan spürt, dass die Nacht bald Abschied nehmen wird, er braucht dafür nicht auf seine Uhr zu schauen, nicht zu versuchen, die  phosphorgrünen Zahlen zu entziffern, er ahnt es an der Veränderung der Dunkelheit, an den Nuancen zwischen schwarz und schwarzgrau, an den Nuancen, die in der lichtlosen Einsamkeit die Ankunft des Tages begleiten.

Er spürt den Übergang, den fast unmerklichen Wechsel,  der ihn an Hibiskusblüten denken lässt, an Hibiskusblüten, wenn sie sich im Morgengrauen entfalten. Er wartet: Bald werden sich ein paar Vögel aus dem Schlaf singen, sie werden zuerst noch verschlafen und zaghaft zwitschern, am Ende folgt Jubel der nächtlichen Angst, das kreatürliche, gedächtnislose Vergessen aller Schrecken.

Er wartet. Wenn sie singen, ist alles gut. Er wartet, und er fürchtet, dass sie vielleicht nie mehr singen werden.

Die Frau atmet leise und regelmäßig. Hin und wieder träumt sie etwas, und dann murmelt sie unverständliche weiche Worte, die keine Rs und keine Ks haben, verschwommene Worte, die nur sie versteht. Sie bewegt  den Kopf hin und her, und ihr Laken raschelt.

Die Frau seufzt, und sie dreht sich zu ihm hin. Sie seufzt, als ob sie da unbewusst und ungehindert von sperrenden Gedanken-Barrikaden aus dem Schlaf heraus Gemeinsamkeit spüren lassen will. Jetzt spürt er ihren Körper, er ist nur noch durch das Lakentuch von ihm getrennt, er spürt das Tuch, es ist feucht, denn die Nacht war warm geblieben, die tropische Nacht. Im dunklen, kargen Grau der Dämmerung - unmerklich hat sich der Tag an den Horizont herangetastet, berührt die weiche Wand, die hell von dunkel trennt - sieht er, wie ihre Hand unter dem Tuch hervorkommt, zögernd verharrt, wie ein kleines Tier, das scheu auf eine Lichtung tritt, dann Mut fasst und die freie Fläche überwindet. Huscht zu ihm hinüber und verschwindet unter seiner Decke, umfasst seine Hand, als ob dort Geborgenheit und Schutz zu finden sei. 

"Dora", flüstert Bogdan.

"Daniel", murmelt die Frau.

Daniel! Bogdan möchte das kleine Tier töten, das in seiner Hand Schutz gesucht hat. Er tötet es nicht, zerbricht es nicht in seiner Hand, zerquetscht es und erwürgt es nicht, denn das kleine Tier hat Lust  mitgebracht, er zieht es zu sich hinüber, zieht es auf seinen Bauch, lässt es in seinen drahtig-harten gelben Haaren kauern und befiehlt mit einem Händedruck: Bleib! Bleib und warte, bis er erwacht.

Unter dem Lakentuch sieht er die Formen ihres Körpers, meint zu sehen, dass das Tuch die krausen Haare zwischen ihren Schenkeln ahnen lässt. Er spürt, dass sich  Hitze zwischen seinen Schenkeln zu wölben beginnt, diese Hitze, die ihn wehrlos macht, die seinen Willen verbrennt.

Er schluckt und schmeckt Begierde. "Daniel", denkt er, und er beschließt Daniel zu sein.

Er dreht sich zu ihr hin, und unter dem Lakentuch tastend findet er die dunkle Mulde, streicht zitternd mit einem Finger an den warmen Lippen entlang. Sein Finger spürt den Duft.

Die Frau seufzt laut, jetzt, als sein Finger die duftende Furche durchwandert und tiefer dringt, tiefer, dorthin, wo weiche Nässe sich gesammelt hat, sie lässt ihre Schenkel auseinandergehen. "Wenn sie jetzt noch einmal Daniel sagt, werde ich ...", sagt Bogdan. "Was werde ich?" Er weiß nicht, was er tun wird, wenn sie noch einmal Daniel sagt. Sie seufzt und sagt: "Ahh!"

Er ist verzweifelt glücklich. Sie hat nicht Daniel gesagt.

Er versucht, ihr ins Gesicht zu schauen, ins Gesicht durch das dunkle Grau hindurch. Ihr Gesicht ist angespannt, es versucht den Schlaf noch fest zu halten. Ihre Lippen sind zusammengepresst, fest aufeinander gepresst. Er sieht, wie es oberhalb der Wangenknochen pocht: Ihr Kopf, selbst im Schlaf wehrt sich ihr Kopf gegen ihren Körper. Gegen ihn? Ihr Körper aber drängt sich gegen seinen, und Bogdan spürt, wie jetzt die duftende Nässe aus ihrem Innern dringt und zwischen seine Finger quillt.

Die Frau dreht sich um, sie kehrt ihm den Rücken zu. Er drängt sich nahe an sie heran, Er zieht die langen Hälften ihrer Backen auseinander und dringt in sie ein.

Sie drückt dagegen, sie murmelt: "Ja!"

Sie lässt von ihren Lippen kleine Töne abtropfen, Wörter, die nichts sagen, drängt sich fester gegen ihn. Seine Stöße trommeln auf ihre Backen, und manchmal, wenn die Nässe ihrer Haut das macht, wird aus dem saugenden und klebenden Auseinanderziehen ein Schmatzen. Es erregt ihn, das Schmatzen, er versucht, es mit der Zunge nachzuempfinden, sein Körper reduziert sich auf Glied und Zunge, beide graben gleichzeitig und schnüffeln schmatzend zwischen ihren Schenkeln.

Jetzt beginnt sie zu schreien und er weiß, jetzt hört sie ihn nicht mehr, jetzt ist sie weit fort von ihm bei dem anderen, jetzt hat Daniel Besitz von ihr ergriffen. "Dora", sagt er leise, er, der er nicht mehr ist. "Krystina", flüstert er mit Panik in der Stimme. Er nimmt, was Daniel bekommen soll. Er ist in einem Pingpong-Spiel, zwei Frauen spielen es. Und er ist der Ball, das weiße Zelluloid, das hin- und hergeschlagen wird.

Die Frau sucht mit ihren Füßen Halt an der Wand gegen seine wilden Stöße. Die Frau, in der er ist, die jetzt zuckend, stöhnend mit ihm kommt, die seine Lust in sich aufnimmt.

Alles an ihm hört auf zu denken, und sein Körper bringt heiße Lava hervor, die sich in ihren Säften mischt.

"Guten Morgen", hört er sich später sagen. "Hast du gut geschlafen, Krystina?"

"Danke", hört er sie später sagen. "Und du, Bogdan und du?" Sie tut, als ob nichts war. Und wenn wirklich nichts war?

Was tut er in diesem Bett, in diesem Haus? Wie ist er hierher zurückgekommen? 

Wo ist Dora?

Was hat Krystina hier zu suchen?

Und: Haben die Vögel zu singen begonnen? Er weiß es nicht. Ist er wach? Hat der Traum ihn  geweckt?

Wie es weitergeht, wer Daniel ist, wer Bogdan und wer Krystina und Dora, das erfahren Sie im Verlauf dieses spannenden Romans - auf der sexuellen nächtlichen Traum- und Alptraumreise eines Mannes...