Korea

Es gibt noch viel zu entdecken. Deutschsprachige Leserinnen und Leser haben wenig Kenntnis vom koreanischen Alltag, der Mythologie, der Geschichte und Kultur dieses fernen nahen Landes. Die historischen Romane Koreas sind eng mit den politischen Ereignissen des Landes verknüpft. Korea hat sich in den letzten ca. 130 Jahren grundlegend verändert. Vom Kaiserreich über die Kolonialzeit unter japanischer Herrschaft, die Teilung des Landes und den hier so genannten Korea-Krieg, die Zeit der Militärregierungen, der Übergang hin zur Demokratie und deren Etablierung; der Wandel von einer Agrarwirtschaft in eine industrielle Gesellschaft, von der konfuzianischen Großfamilie zur Kleinfamilie. All dieseEntwicklungen und Veränderungen finden sich in der koreanischen Literatur wieder und werden mit einem speziellen Blick aus dem Inneren der koreanischenGesellschaft erzählt. Moderne koreanische Autoren greifen neue Themen auf. Seit den 1990er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt des Schreibens von streng realistischer Literatur in das scheinbar Private. Alltag, Sexualität, Partnerschaften und Kommunikationsverlust werden nun in der Literatur verhandelt – nicht anders als in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart, in der sich diese Themen ebenfalls häufig finden.

Cheon Woon-young


Cheon Woon-young gilt als Vertreterin einer neuen feministischen Literatur aus Korea, in der Frauen nicht mehr „sich selbst“ finden müssen, sondern von vornherein eigenwillige, starke Gestalten sind. Sie publizierte Erzählungen und Romane. Virtuos bespielt sie den Zwischenraum zwischen Wirklichkeit und Fiktion. So bilden zum Beispiel drei zusammenhängende Erzählungen ein „Buch im Buch“ und die Autorin, oder ist es eine der Figuren?, schreibt ein fiktives Nachwort, in dem sie das Verhältnis der Figuren zu ihrer Autorin schildert.


Ihre Art des Weinens, 12,-, ISBN 978-3-88769-813-3

Bestellung
Geschichten von Außenseitern und davon, wie Unbekanntes und Unheimliches in den Alltag einbricht. Die Erzählungen spielen im modernen Südkorea, in Städten und auf dem Land. Jede Erzählung birgt ungeahnte Überraschungen und liest sich wie ein Roman.Mehr Info


Kim Young-ha


Kim Young-ha,1968 in Gangwondo geboren, ist einer der bekanntesten Autoren Koreas. Er studierte in Seoul Betriebswirtschaft. Für „Schwarze Blume" bekam er mit dem Dong-in-Preis den bedeutendsten Literaturpreis Koreas.
Alle seine Romane setzen den Akzent auf den Nervenkitzel realen Lebens.
So beruht der Roman „Schwarze Blume" auf der wahren Geschichte der ersten Generation koreanischer Auswanderer nach Mexiko. Seine 10 Kurzthriller  "Ein seltsamer Verein" erzählen von der heutigen jungen Generation in Südkore
a, von jungen Großstädtern im modernen Seoul, die orientierungslos, isoliert und gelangweilt durch ihr Leben strudeln. Diese Generation in Korea lebt in einer globalisierten Welt. Die Probleme seiner Figuren sind auch den neuen Generationen anderen Regionen der Welt nicht fern. Die Suche nach dem, was sich jenseits von Schein und Wahn als Wahrheit erweisen könnte, durchzieht die Geschichten wie ein roter Faden. Oft vermögen die Protagonisten – so zum Beispiel im Erzählband „Ein seltsamer Verein“ – die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderzuhalten und werden zu Gefangenen ihrer fixen Ideen. Ihre Fluchten gelingen nicht immer, sie geraten in einen Strudel aus Leidenschaft, Gewalt und Obsessionen. Bereits in  seinem ersten Roman, „Der Sterbehelfer“ arbeitet  er sein Thema eindrucksvoll aus. Mit diesem Roman betrat er die literarische Bühne und hatte schlagartig enormen Erfolg. Das Buch gewann den angesehenen Munhak-dongne-Preis in Korea und Kim Young-Ha wurde zum Bestsellerautor, weitere Literaturpreise kamen hinzua.



Kim Young-Ha-Paket Zwei Romane, ein Erzählband, 24,90, ISBN 978-3-88769-790-7

Bestellung


Zur Frankfurter Buchmesse 2013 erscheint:


Der Sterbehelfer, Roman, us dem Koreanischen von Hoo Naam Seelmann und Rudolf Bussmann, 176 Seiten, einige Bilder, frz. Broschur, Fadenheftung, Euro 9,99, ISBN 978-3-88769-789-1

Bestellung

Seyon, eine junge Frau aus Seoul, ist schön, verwöhnt und gelangweilt; sie lässt sich treiben, wechselt von einem Liebhaber zum nächsten. Nicht einmal dem Sex kann sie mehr große Lust abgewinnen. Sie sucht ihr Glückin extremen Situationen.
Der Erzähler, der uns Seyons Geschichte berichtet, hat zu ihr ein ganz besonderes Verhältnis, hat er sich doch darauf spezialisiert, lebensmüden Menschen den Selbstmord zu arrangieren. Danach werden sie zu Protagonisten seiner Geschichten. Seyons Geschichte setzt sich an die Stelle von Seyons wirklichem Leben.
Eines Tages begegnet dem Sterbehelfer in Mimi eine Frau, die ihn ganz besonders fasziniert.
Die Performancekünstlerin hält die Frage nach Schein und Sein ständig wach.Und seine Tätigkeit stellt dem Sterben als kreatürlichem Zu-Ende-Gehen den artifiziellen Akt des Sich-Tötens gegenüber. Die beiden beginnen ein verhängnisvolles Spiel zwischen Kunst und Realität.
Der Roman spielt den Gegensatz Kunst und Wirklichkeit auf verschiedenen Ebenen virtuos durch. Rasant, urban und aufwühlend.


Ein seltsamer Verein
Erzählungen, aus dem Koreanischen von Hoo Naam Seelmann und Rudolf Bussmann, 288 Seiten, farbige Vorsatzblätter mit Fotos von Kim Young-Ha, frz. Broschur, Fadenheftung, Euro 10,90, ISBN 978-3-88769-776-1

Bestellung

In seinen 10 Miniatur-Thrillern erzählt der Autor KimYoung-Ha mit Raffinesse von der jungen Generation Südkoreas. In nüchterner, spröder Sprache geht es um Dramen, die sich zwischen den Figuren und in ihrem Inneren abspielen. In einigen Geschichten spielt ein Mord eine Rolle, andere durchzieht die Ahnung eines Ereignisses, das die Welt der Protagonisten auf den Kopf stellen wird. Korea ist hin- und hergerissen zwischen modernem Rationalismus und traditionellen Werten. Der Widerspruch geht oft mitten durch die Figuren In Korea hat sich der Wandel zum elektronischen Zeitalter in rasender Geschwindigkeit vollzogen.
Die Suche nach dem, was sich jenseits von Schein und Wahn als Wahrheit erweisen könnte, durchzieht die Geschichten wie ein roter Faden. Oft vermögen die Protagonisten die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderzuhalten und werden zu Gefangenen ihrer fixen Ideen. Ihre Fluchten gelingen nicht immer, sie geraten in einen Strudel aus Leidenschaft, Gewalt und Obsessionen.
Kim schafft es, in diesen kurzen Geschichten eine Atmosphäre zu erzeugen, wie sie sonst nur in Romanen zu finden ist – nach der Lektüre einer Geschichte hat man das Gefühl, einen Schmöker gelesen zu haben




Roman, aus dem Koreanischen von Hanju Yang und Heiner Feldhoff, 448 S., einige Bilder, Fadenheftung, Klappenbrochur, 12.90, ISBN 978-3-88769-758-7

Bestellung

Schwarze Blume
Ca. 448 Seiten, 12,90 Euro.

I-gong ist ohne Eltern auf der Straße aufgewachsen und möchte seinen Lebensumständen auf dem großen Schiff entfliehen. Während der hochdramatischen Überfahrt, auf der koreanischer Auswanderer Anfang des 20sten Jahrhunderts für eine lange Zeit auf engstem Raum zusammenleben müssen, kommt es zu schweren Spannungen unter den nach Herkunft und Bildung so unterschiedlichen Menschen, zu brutalen,aber auch zu bewegenden Liebesszenen. Kim Young Ha erzählt von der erwachenden Liebe zwischen I-gong und Yon-su,deren adlige Familie ebenso vor der politischen Situation in Korea flieht wie I-gong. Alle gesellschaftlichen Schichten finden sich unter den Migranten,doch die traditionellen Hierarchien verschwinden schon in der Zeit der Reise immer mehr.
Endlich auf Yucatan angekommen,erwartet sie die große Desillusionierung, sie werden in den Henequen (Sisal)-Haziendas ausgebeutet und körperlich misshandelt,es kommt zu Aufständen, zu Konflikten zwischen dem Codex des alten Korea und dem brutalen Kolonialsystem der Neuen Welt, hinzu kommt die quälende Sehnsucht nach ihrem Heimatland.
Wird die Liebe zwischen I-gong und Yon-su daran zerbrechen müssen?
Doch die meisten von ihnen lernen rasch,sich gleich den unterdrückten Maya mit den Umständen zu arrangieren und sich sogar dem katholischen Fanatismus der Hazienderos zu unterwerfen, insgeheim pflegen sie aber ihre eigenen mystisch-schamanischen Bräuche. Nach Ablauf ihrer Pflichtzeit als Lohnsklaven beteiligen sich zahlreiche Koreaner an den revolutionären Erhebungen gegen den mexikanischen Diktator Diaz und,so zu politischem Handeln motiviert, gründen sie im guatemaltekischen Urwald der Mayas,in Tikal,ein neues freies „Korea",das über ein Jahr Bestand hat.

Wie in Filmsequenzen gestaltet die herb-realistische Erzählsprache Kim Young-has in den 77 Kapiteln von „Schwarze Blume" ein Ost und West übergreifendes transkulturelles Panorama.
Ein spannenden Epos, das bei aller historischen Authentizität für den heutigen Leser eine Vielzahl aktueller Bezüge bereithält.




An, Su-Kil



Die Brücke über den Son Zong Gang
Roman, 288 S., frz Br., Fadenheftung, einige historische Illustrationen, aus dem Koreanischen,übersetzt und Nachwort von Alissa Walser und An In Kil. 9,90, ISBN 978-3-88769-386-2

Bestellung

Roman über eine Kindheit in einem Dorf in Nordkorea.

An einer Brücke setzt die Erinnerung ein. Won Gu ist vier Jahre alt. Auf dem Rücken des Onkels oder an der Hand der Großmutter geht auch er zum Fest auf die Man-Se-Gyo-Brücke. Sie hängen die schmutzigen Hemden der Kinder über das Brückengeländer, um vom Gott der Brücke ein sorgenfreies Jahr zu erbitten.»Vordergründig ging es wohl darum, die Ahnen zu ehren, sie zum neuen Jahr zu grüßen, doch tatsächlich drehte sich alles ums Vergnügen. Und natürlich ging es nicht um die Brücke. Diese war nur der willkommene Anlass, den Fluss zu feiern, den Song Zon Gang ...«
Der Roman spielt in der Zeit, in der Korea sich nach außen öffnete und dann zum Schauplatz von Machtkämpfen der Großmächte wurde. Eine Zeit, in der sich die Welt verwandelt. Die Auswirkungen sind heute noch zu spüren.
Und
all das spiegelt sich in diesem Ort am Fluss, in dem Won Gu und seine Familie leben, und in dieser mitreißenden Geschichte einer Kindheit.
Erste europäische Kaufleute kommen in die Stadt, später russische und japanische Soldaten, die Bewohner fliehen, kehren zurück, und währenddessen passieren die kleinen alltäglichen Dramen und schöne Ereignisse.
Zugleich setzt der Autor einer Landschaft, einer Region und den Menschen, die dort leben, und ihren Lebensformen ein Denkmal.



EINE UNMÖGLICHE LIEBE
Erzählungen, 144 S., frz Br., aus dem Koreanischen, übersetzt und Nachwort von Alissa Walser und An In Kil. 10,-, ISBN 3-88769-323-X
Zarte Liebes- und andere Lebens-Geschichten aus 30 Jahren in Korea. Die Liebe wird oft durch die Umstände nahezu unlebbar. Doch die Erzählungen entfalten eine sanfte Intensität. Eine fremde Welt? Beschrieben, überschrieben von den Erinnerungen an eine ferne Zeit historisch anmutender Verhältnisse, Umstände, Situationen im (immer noch) geteilten Korea: in einer Sprache, die an der Konvention zweifelt und von den Konventionen spricht, an denen ihre Figuren verzweifeln. Das unfallartige Aufeinandertreffen von Raum und Zeit, Geschlechtern und Gesetzen, Ideologien und Ideen, das uns in Deutschland, bis auf die Fremdheit der Namen, so fremd nicht sein kann...

Aus dem Nachwort von Alissa Walser und An In-Kil
Korea, eines der letzten, politisch geteilten Länder der Staatengemeinschaft, beruft sich auf eine über siebentausend Jahre alte Tradition, die kulturell nur noch von Fachleuten den Koreanern zugeschriebene Meilensteine - wie zum Beispiel eine phonetisch begründete, einheitliche Schriftsprache oder die Erfindung des Drucks von Metallstöcken, zweihundert Jahre vor Gutenberg - aufstellte. Die von Teilung und Reanimierung kaiserlicher Dynastien geprägte, diese engstens mit China verwobene und dennoch homogene Nationalität, deren Türen trotz allem offenstanden für unterschiedlichste religiöse Einflüsse und Niederlassungen (Konfuzianismus, Buddhismus, Christentum), wurde 1910 ein letztes Mal von Japan besetzt und erst nach fünfunddreißig Jahren, am Ende des Zweiten Weltkrieges, von japanischem Protektorat befreit. Seit dem Dreijährigen Krieg von 1950 &endash;53, den wir in Europa Koreakrieg nennen, ist Korea geteilt. Im Norden herrschte Kim Il-Sung - der Vater des heute noch herrschenden Kim Jong-Il - und im Süden, sein antikommunistisches Pendent, Park Chung-Hee, der erst 1979 die Macht an eine gemäßigtere Regierung verlor. Seit den 90er Jahren des 20.Jahrhunderts ist Südkorea das, was wir eine Demokratie nennen.

Der in Korea berühmte und vielgelesene Dichter An Su-Kil, der mit diesem Band Erzählungen nun auch deutschen Lesern zugänglich gemacht wird, wurde am 3.November 1911 - also ein Jahr nach der Besetzung durch die Japaner - geboren, und starb am 18.April 1977, siehe oben: zwei Jahre bevor die vom Militär dominierte Regierungszeit des Park Chung-Hee zuende ging. Will heißen: die Literatur An Su-Kils ist von einer Atmosphäre wechselnder Diktaturen und äußerem wie innerem Exil geprägt.

Leseprobe:
Schau, ein Flugzeug, eine Maschine &endash; wie eine Libelle.« Über dem abgelegenen Gipfel im klaren Feld des hellblauen Himmels erschien ein Flugzeug mit leise dröhnenden Propellern. Buni unterbrach sich bei der Maisernte und rief fröhlich wie ein Kind, das zum ersten Mal ein Flugzeug sieht. »Herrlich!«
Auch die Schwiegermutter blickte in dieselbe Richtung. Mittlerweile flog das Flugzeug schon über den Weidenwald am Bächlein, sein Libellenkörper wurde größer.
»Wie schnell es fliegt, vielleicht sitzt unser Soldat drin. Ach, es blendet mich.«
Eine Hand an der Stirn, mit der anderen winkend, sah sie hoch zu dem Flugzeug über ihren Köpfen, das im Sonnenschein blinkte. »Mit dieser Maschine könnte man blitzschnell in Seoul sein.«
Die Schwiegermutter, die sich immer schon nach Seoul zurück gesehnt hatte, starrte der der Maschine hinterher. Buni aber sehnte sich mehr danach, zusammen mit Yi im wolkenlosen, freien, hellen Blau des Himmels davonzufliegen. Auch bei ihrem letzten Treffen, vor einigen Tagen, nachts, hatte er sie wieder zur gemeinsamen Flucht aufgefordert. Die Flugmaschine war vorüber, Himmel und Feld wieder allein mit dem trockenen Geräusch der Maisernte, die im Wind knisterte.
(Der Anfang der Erzählung „Herbstaster)

Bestellung

¦
AutorInnenverzeichnis

Kanarische Inseln

Japan

___
© 2017 konkursbuch. Alle Rechte vorbehalten.