Leseprobe aus La Rontonde
Die Bar La Rotonde befindet sich in der rue St. Denis, heiße Meile von Paris, nicht
weit vom Coste entfernt.
Die Rontonde gibt es nicht mehr. Das ganze Lokal wurde durch einen radikalen Umbau auf den neusten Stand
der Technik gebracht, der uns immer so kalt und unverträumt vorkommt, weil er noch keine
Geschichten erzählen kann.
Hier gibt es jetzt alle Biere der Welt. Über die Preise kriegte sich ein deutsches Besucher-Ehepaar
in die Haare. Er: Zu Hause, im Tennisclub, krieg ich das Bier für eine Null weniger.
Sie darauf: Dann geh doch nach Hause, du Arschloch!
Ich flüchtete aufs Klo. Die Spülung befand sich an der Wand in einem Metallrechteck, ein
Kippschalter. Bei der Betätigung fiel die ganze Verschalung neubaumäßig zu Boden. Es
wird nicht lange dauern, dachte ich, dann hat dieser Ort seine Geschichte.
Dort machte ein Freund folgendes Abenteuer mit: Das Klo war im Untergeschoß. Dort tat sich ein
verstaubter Tanzsaal auf, ungenutzt seit der Vorkriegszeit, ganz am Ende die beiden Türen mit (M)
Messieurs und D (Dames). Die M-Tür war verschlossen, die D-Tür leicht geöffnet, dort
wusch sich eine Dame unter den Armen. Wenn Mann nötig muß, ist er sogar bereit, ein Damenklo
zu benutzen, wenn das Herrenklo außer Betrieb ist, aber in diesem Fall blockierte die sich
Erfrischende mit ausgiebigem Wasserplantschen am Waschbecken den Zugang. (Wenn sie wenigstens gepinkelt
hätte). Zu dem Unglücklichen gesellte sich ein anderer. Man wartete gemeinsam eine geduldige
Weile, selbstbeherrscht, dann wurden Untersuchungen vorgenommen, und es stellte sich heraus, daß
das Männerklo nicht außer Betrieb war, sondern ein Münzschloß hatte. Nur, wer hatte
Münzen? Beide waren Ausländer verschiedener Herkunft, man tauschte Münzen,
gebärdenreich, und konnte endlich normal weiterleben.
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