Harald Körke: Lust und Liebe auf Papaya

Leseprobe

Immer schon wurde Liebe auf Papaya groß geschrieben, aber auch immer nur kleinlaut genannt. Und ihre Stiefschwestern, Lust und Wollust, halten die Paperos in tiefen Verließen und dunklen Gedanken fest, wie es sich für Triebe gehört, die der Mensch mit dem Tier gemein hat, dem bedauernswerten: Hin und wieder jedoch brechen sie aus und treiben ihr Unwesen – der Not gehorchend, nicht den eigenen Trieben – auf Wald und Flur, in Hühnerhof und Ziegenstall.
Aus der inoffiziellen, nach Unzucht und Inzest duftenden Chronik der Insel muß der geschäftstüchtige Bauer herausgehoben werden, der, ein fernes Jahrhundert zurück und im Wilden Norden, seine Rinder in das Joch der Lust zwang und, wenn nicht das erste Freudenhaus, so doch den ersten Freudenstall auf der Insel etablierte. Der Stall und die Praktiken, so heißt es, florierten, bis ein neues Zeitalter hereinbrach, die Ära des Fremdenverkehrs, hier sieht man nun selber einmal, daß nomen omen ist: Fremden-Verkehr.
Der Fremdenverkehr begann, wie alles auf der Insel, zaghaft. Zunächst war es wohl nur ein abenteuerdurstiger Engländer, den es auf der Suche nach berauschendem Rum nach Papaya verschlug.


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