Leseprobe
Der Schriftkörper eines Ideogramms ist nicht rätselhaft, denn er zeigt, was er bedeutet Mein
Blick bleibt bei den einzelnen Buchstaben stehen als wären sie Gemälde
Ich nehme ein
japanisches Schriftzeichen als Bild wahr. Dagegen ist jeder Buchstabe des Alphabets mir ein Rätsel.
Was will zum Beispiel ein A mir sagen? Je länger ich einen Buchstaben anblicke, desto lebendiger und
rätselhafter wird er
Es kann gefährlich sein, einen Buchstaben in die Welt zu
setzen, denn der Autor oder genauer gesagt der Setzer kann nicht wissen was aus ihm wird. Man schreibt
ein B, es kann eine Blume daraus werden aber auch eine Bombe
Andererseits ist es aber eine
Täuschung zu glauben, ich hätte die Ideogramme im Griff. Der Ursprungsmythos über die
chinesische Schrift erzählt von Ungewißheit. Dort heißt es, daß der Erfinder der
ersten Ideogramme von den Fußspuren der Vögel inspiriert wurde
Einerseits erweckt
diese alte Schrift bei mir Vertrauen. Einige ihrer Zeichen ähneln den Zeichen, die heute noch
verwendet werden. Die Zeichen für Beine Muschel oder Schiff kann ich sogar erkennen. Andererseits
muß ich immer an die Fußspuren der Vögel denken. Sie entstammen nicht dem menschlichen
Denken und bleiben für immer unzugänglich
(aus der zweiten Vorlesung)
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