Die Flucht des Monds

 

Ich sang in der Toilette

da kam der Mond

herangerollt

 

nackt

auf einem Fahrrad

Er hatte den Weg mitten durch den Metaphernpark genommen

um mich zu treffen

 

Draußen die Straße entlang

spazierte zähneputzend eine schöne Frau

Auf der Bank im Park

trank ein Mann in Umstandskleidung Apfelsaft

Am Ende eines Jahrhunderts ist Gesundheit eben angesagt

 

Im Himmel klafft ein Loch

Die mondgestaltige Angst der mondgestaltige Kummer sind weg

Alles Gestaltige flattert munter

um das Loch herum

 

Die Falte des Abgrunds glättet sich

Auf der blanken Oberfläche der Sorge

treten die Dichter auf Schlittschuhen an

 

Mond – meiner – neben mir

 

© konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, aus Yoko Tawada, Nur da wo du bist da ist nichts

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