Pressestimmen:
In ihren Essays denkt Tawada darüber nach,was die katholische
Kirche mit Rotkäppchen gemein hat, ob Kleist Erzählung "Die
Marquise von Null" heißen könnte und wie im Alphabet die
Wüste bewahrt wird. Ihre eigene Belletristik beginnt, als eine
Dame namens Slavia in Berlin aus einer Graz bewachsenen Baustelle aus
demTexas steigt. Tawadas Essays sind zum Lautlesen geschaffen. Ihrer
Spiel- und Experimentierfreude haftet nichts Schweres,Verkopftes an.
Slavias Taxifahrt ist die automobile Kurzfassung von Finnegans Wake
... ganz undenkbar wäre das Kunstverständnis der Autorin
ohne Walter Benjamins Begriff von Geschichte und Schrift.
Unterhaltsamer, fasslicher, sinnlicher bekommt man ihn allerdings
selten geboten. Hier werden Dinge an ihren Namen und Definitionen
gemessen, wird Sprache so lange wörtlich genommen, bis sie fremd
wird. Wörter haben einen Magnetismus zu anderen Wörtern,
sie assoziieren sich gegenseitig herbei, man kann sich kaum wehren
... ihe Texte schaffen eine vibrierende Athmoshäre, eine
Süffigkeit der Stimmungen... (Badische Zeitung, 18.5.07)
Sie nimmt wörtlich, was die Sprache an Bildern liefert, sie
befragt den Hintersinn. Die Demontage von Klischees gehört zu
ihren Lieblingsspielen. Die Deutschen glauben, ein klares Bild von
Japan zu haben, in dem sie Futon und Sushi als Hauptmerkmale dieser
Kultur begreifen. Die Ästhetik erhabener Schlichtheit, die ein
Europäer so fest mit japanischer Kulur verbindet, ist dort
selten zu finden, stattdessen sind die meist kleinen Wohnungen voll
gerümpelt. Eine der beliebtesten Speisen heißt
"Katsu-Karee" und ist Wiener Schnizel auf Reis mit Currysoße,
weit entfernt von der Eleganz eines Sushi (Wohnen in Japan)...... Die
Essays laden ein, sich auf Erkundungsreisen zu begeben, sich
überraschen zu lassen und die Welt der Worte mit frischen
ungetrübten Augen zu betrachten ... Die Veröffentlichungen
der deutschschreibenden Japanerin Yoko Tawada haben ein festes
Maß. meist um die 150 Seiten; es sind Broschuren, liebevoll
illustriert wie kleine Kostbarkeiten. (SWR 2)
Dichter sind Alchimisten. Sie versuchen, Dinge so zusammenzubringen,
dass etwas Neues entsteht, ein Gefühl oder eine Idee. Manchmal
geht es darum, dass ein Misthaufen wirklich nach Mist riecht.
Manchmal erkennt man ihn nicht wieder. Yoko Tawada wurde 1960 in
Japan geboren, seit 1982 lebt se in Deutschland. Sie hat in Tokio und
Hamburg Literaturwissenschaft studiert und schreibt seither aus einer
Position der Mitte &endash; sie selbst würde vielleicht sagen:
ohne Herkunft, mit größerem Denkspielraum. Auf jeden Fall
hat sie Übung mit dem Zusammenbringen.
Ein nicht unbeträchtlicher Teil des neuen
EssaybandsSprachpolizei und Spielpolyglotte" ist Ernst Jandl
gewidmet und viel kreativer ausgefallen, als der Begriff Essay
vermuten ließe. Hier werden Dinge an ihren Namen und
Definitionen gemessen, wird Sprache so lange wörtlich genommen,
bis sie fremd wird. Wörter haben einen Magnetismus zu anderen
Wörtern, sie assoziieren sich gegenseitig herbei, man kann sich
kaum wehren. Aber den umgekehrten Weg kann man nehmen: Assoziation
auf die Spitze treiben. lies nicht mehr" sagt Paul Celan,
&endash; schau! Schau nicht mehr &endash; geh!" Nichts mehr
entziffern wollen, selber losgehen: eine Aufforderung zu radikaler
Subjektivität.
Sprachpolizei und Spielpolyglotte" ist hemmungslos subjektiv.
In ihren Essays denkt Tawada darüber nach, was die katholische
Kirche mit Rotkäppchen gemein hat, ob Kleists Erzählung
Die Marquise von Null" heißen sollte und warum im
Alphabet die Wüste bewahrt ist. In ihren Interpretationen
übersetzt sie nicht nur Celans Buchstaben in Zahlen und Goethes
Wahlverwandtschaften" in Chemie, sondern trotzt noch dem
Vergleich mit dem japanischen Schriftbild Bedeutung ab. Ihre eigene
Belletristik beginnt, als eine Dame namens Slavia in Berlin an einer
Graz bewachsenen Baustelle aus dem Texas steigt.
Angenehm betäubt vom persischen Wein ließ ich die
Wörter den Abhang hinunterrollen", heißt es in der
Erzählung An der Spree". Tawadas Essays sind zum
Lautlesen geschaffen. Ihrer Spiel- und Experimentierfreude haftet
nichts Schweres, Verkopftes an, das ist die größte
Leistung dieser genau beobachtenden Prosa. Angenehm betäubt von
den kurzen Sätzen, den einfachen Gedanken lässt man den
Text rollen. Noch die albernsten Wortspiele schaffen in ihrer
Häufung eine vibrierende Atmosphäre, eine Süffigkeit
der Stimmungen ..."
(Badische Zeitung 18.05.2007)
Mandelmus und Jandelmus, emeth und meth: kleine Buchstaben
entscheiden manchmal über Sinn und Unsinn, Leben und Tod. Als
Rabbi Löw den Golem erschuf, schrieb er ihm das Wort
emeth" auf die Stirn: Die Wahrheit". Und der Golem lebte.
Um ihm das Leben zu nehmen, muss man nur das erste e wegnehmen, dann
heißt das Wort meth": tod. Fantasievoll, aufmerksam mit
allen Sinnen auf die Sprache gerichtet sind die neuen Essays von Yoko
Tawada. Sie sieht Wörter und die Wörter in den Wörtern
(la vie" in Klavier"), sie zählt die
Auslassungspunkte in Celans Gedichten, sinniert über Zwang und
Regeln der Sprachen, denkt über das O bei Kleist und in seinen
japanischen Übersetzungen nach." (Georg Patzer,Stuttgarter
Zeitung 11.05.2007)