Gerta Neuroth

konkursbuch Verlag Claudia Gehrke
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Nach Studium der Romanistik und Lehrtätigkeit am Gymnasium engagiert sich Gerta Neuroth seit vielen Jahren als Übersetzerin und Herausgeberin kanarischer Prosa und Lyrik, eine Literatur mit ganz eigenem Flair. Zu ihren Übersetzungen gehören Romane von Rafael Arozarena und Sabas Martín, zuletzt, 2017, Víctor Álamo de la Rosa, und themenbezogene Sammelbände. Als freie Mitarbeiterin des "Wochenblattes" (Teneriffa) stellt sie deutschen Lesern Inselautoren vor und fördert außerdem in Lesungen den Kontakt zwischen Autor, Übersetzerin und Publikum.




Caprichos de mar - Meereslaunen
Zusammengestellt und übersetzt von Gerta Neuroth.
Erzählungen, Gedichte, viele Bilder, 288 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen, 15,50 Euro, ISBN 978-3-88769-768-6

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Gedichte, Geschichten und Bilder, in denen kanarische Autoren, Maler und Fotografen von den Launen des Meeres erzählen: von dramatischen Überfahrten, vom Versuch, über das Meer in ein besseres Leben zu entkommen, vom Traumschiff, von der Kindheit am schönsten Großstadtstrand, von einem Hurrikan, vom Fischen und der Frage, ob die Menschen von den Fischen abstammen.
Das Meer übt eine unglaubliche Faszination auf uns Menschen aus. Etwa siebzig Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Es ist eine Naturgewalt, voller Magie und Gefahr, die wir nicht beherrschen können, so groß und sicher wir unsere Schiffe bauen.
Die hier versammelten Autoren/innen und Künstler/innen sind auf den Inseln geboren und aufgewachsen, leben zum Teil noch dort, das Meer um sie herum war immer Bestandteil ihres Lebens, mit all seiner Schönheit, Anziehungskraft. Es ist Lebensgrundlage genauso wie Bedrohung. Es kann Tod bedeuten. Eindringlich, wie man es selten zu lesen bekommt, wird der Tod erzählt (z.B. in der Erzählung „Den Tod vor Augen“). In ihren Erzählungen, ihrer Lyrik ist diese Ambivalenz stets spürbar: das Meer ist Ernährer für Fischer, Seeleute, ist Hoffnungsträger für Flüchtlinge, aber es kann auch ihr Ende bedeuten, wie Geschichten von Emigranten, von Bootsflüchtlingen aus Vergangenheit und Gegenwart erzählen.
Die hier versammelten Geschichten sind vielschichtig wie Wellenformationen. Sie lassen uns Sehnsucht, Magie, Verbundenheit, Respekt, Hoffnung und Gefahr mitfühlen. Wild und ungestüm erzählen sie von mutigen Matrosen und Kapitänen, die sich der unergründlichen Grausamkeit der Fluten entgegenstellen, aus diesen Kämpfen gehen sie nicht unversehrt hervor (z.B. in der Geschichte „Der Hurrikan“). Ebenso intensiv wird die Harmonie beschrieben, in der Inselbewohner mit dem Meer leben, mit all ihren Sehnsüchten und Träumen.
Ganz nebenbei eignet sich diese zweisprachige Ausgabe ideal zum Spanischlernen. Die vielen Meeresbilder der Künstler/innen und Fotograf/innen lockern die dicht erzählten Geschichten auf und laden dazu ein, einen Moment in eigene Träume abzutauchen.  -

Das Meer im Spannungsfeld zwischen Chaos und Harmonie, zwischen Wut und Sanftmut, Brüllen und Flüstern, zwischen Abenteuer und Broterwerb, Tod und Glück.

Leseprobe:

Cecilia Domínguez

Gewaltsames Meer

Es gibt Tage wie heute,
wo deine Wellen schon morgens kochen.
Du überfällst die Plätze,
zerrst an den Lorbeerbäumen,
und deine schwarzen Wassermassen
reißen in wütenden Wirbeln die Abgründe auf.
Nur dein Getöse ist zu hören,
du übertönst die Stimmen der Meeresgötter,
erstickst den Sirenengesang der Schiffe,
raubst den Gekenterten ihre Schreie;
du überflutest die verträumte Mole,
die einsam im Dunst versinkt.
Ganz Tücke und Gewalt, dein Wesen,
duldest du heute der Vögel Schatten nur –,
deinen gierigen Wogen entkommen sie.
Stolz bäumst du dich auf,
wie der Gott des Todes,
grenzüberschreitend.
Ich stehe vor dir, gedankenschwer.
solche Tage wie heute kenne auch ich:

Die Zäune will ich dann niederreißen,

genau wie du.  .

Leseprobe Textausschnitte als PDF


 


 

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