konkursbuch Verlag Claudia Gehrke   Verlagsporträt & Kurzbio der Verlegerin

konkursbuch Verlag Claudia Gehrke
PF 1621 - D-72006 Tuebingen, Tel. 0049(0) 7071 66551 und  0049 (0) 1727233958
Mail: office@konkursbuch.com

Aus der Verlagsgeschichte.

 

Der Beginn

1976-1980 veranstaltete Claudia Gehrke als Studentin in ihrer Tübinger WG in der Münzgasse 17 (eines der ehemaligen Cottaschen Verlagshäuser) einen „Mittwochssalon“. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und debattiert, Texte wurden vorgestellt und manchmal passierte auch Erotisches. Der alte Tisch, an dem das stattfand, existiert noch immer im Verlag. Jahrzehnte später erreichten uns Gerüchte, dass dort die Frauen in Röcken ohne etwas darunter an spiegelnden Tischen gesessen haben sollten ... (Spiegelfolie hatten wir an der Wand dieses WG-Zimmers, und später lange Jahre auf den Messen an der Wand des Stands, so dass jeder, der eins der erotischen Bücher aus dem Regal nahm und darin blätterte, auch sich selbst beim Blättern hätte sehen können).

 Die Aufbruchszeit der Studentenbewegung lag noch nicht lange zurück. So schöpften wir aus dieser Bewegung, bzw. knüpften an manche der politischen Ideen an, auch an die Liebes- und Lebenskonzepte der 68er. Im Salon entstand die Idee einer neuen politisch-literarischen Zeitschrift, damals gab es nur das „Kursbuch“. An einem Mittwoch tauchte spielerisch das Wort "Konkursbuch" auf und setzte sich fest. 

 

"Konkursbuch"

Die meisten aus der Runde hielten es für Tagträumerei, doch Claudia Gehrke und WG-Genosse Peter Pörtner luden Autorinnen und Autoren ein, die sie aus ihren Lektüren kannten. Das Echo war groß. Neu für die damalige Zeit war die Verknüpfung von Bildern, Literatur, Privatdokument und Theorie. Schubladenübergreifendes Denken von Anfang an. Grenzüberschreitung zwischen einzelnen in damaligen Publikationen eher streng getrennten Bereichen.

 Am 1.4.1978 meldeten wir mit der ersten Ausgabe von "konkursbuch" das "Gewerbe" an – als ein Aprilscherz und als Einzelgesellschaft von Claudia Gehrke.  Der Verlag war gegründet. Die erste Ausgabe hatte das heute fern klingende Thema "Vernunft und Emanzipation", darin einige programmatische Essays, die für den Verlag wichtig werden sollten, wie dieser: "Der weiße Fleck auf der feministischen Landkarte. Über die Lust von Frauen" von Marlis Gerhardt.

Mit dieser Nummer eins reisten Claudia Gehrke und Peter Pörtner durch die BRD und besuchten Buchhandlungen, darunter viele alternative linke Läden. Damals gab einen Verband VLB (Verband linker Buchhandlungen). Die Nummer eins wurde dort und kurz darauf auch von vielen anderen Buchhandlungen bestellt. Vom Verlag "Roter Stern" (heute heißt er Stroemfeld) bekamen wir Tipps und Adressen von Presseleuten. Auch in der Presse kam das konkursbuch gut an. Es traf wohl den "Nerv der Zeit".

 

Die Presse über die ersten "konkursbücher":

„Ich wüßte nicht, wo gegenwärtig in deutscher Sprache radikaler, verzweifelter, diabolischer, aufregender im wörtlichen Sinn über Kurse und Konkurse reflektiert würde als in dieser Zeitschrift." (WDR).

„Die Herausgeber haben erkannt, daß lesende Menschen nicht nur Hirn- sondern auch Augenmenschen sind." (Die Zeit)

 

In Moment in Arbeit ist die Nummer 55: Bücher.

 

Die ersten Bücher

Wir hatten die ersten sieben Themen geplant: Nach der Nummer 1: "Vernunft und Emanzipation" erschienen die Ausgaben 2: "Gesichter der Gewalt", 3: "Erfahrung und Erinnerung", 4: "Kunst. Archäologische Notizen zur Moderne", 5: "Abschied von der Politk?" , 6: "Erotik" und 7: "Müßiggang und Laster".  Sieben waren es deshalb, weil wir gehört hatten, dass man nach sieben Nummern einer Zeitschrift darüber promovieren könne. "Müßiggang und Laster" wäre ein hübsches Abschlussthema gewesen. Peter Pörtner war 1979 nach Japan gezogen. In komplizierten Telefonaten über eine seltsame, oft gestörte, Verbindung dank einer befreundeten Postmitarbeiterin gestalteten wir die ersten Ausgaben weiterhin zusammen.

 

Schon für Nummer drei kamen Texte, die zu lang waren für ein Periodikum. 1980 erschienen die ersten Bücher neben "konkursbuch": Romane, Essays und ein Tagebuch über das Leben in einer WG der 70er und das Scheitern damaliger Ideen über die Möglichkeiten psychologischer Hilfe durch Aufnahme in WGs.

 

Autorinnen, Reihen, Bücher ...

Zu vielen Autorinnen ließen sich Geschichten erzählen. Peter Pörtner war frisch zurück aus Japan und hatte eine Stelle in Hamburg, Yoko Tawada, die 1982 das erste Mal mit der transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland gereist war, begann in Tokyo ihr Studium. Sie wollte in Moskau weiterstudieren. Das war nicht möglich; so kam sie zum Studium nach Hamburg. Peter Pörtner traf sie, übersetzte ein Gedicht und las es Claudia Gehrke vor, die war begeistert. Ca. 1985 trafen sich Yoko Tawada und die Verlegerin das erste Mal, Yoko Tawada schon mit dem Traum ihres ersten Buchs im Kopf, auch in streichholzschachtelgroßem Format hatte sie ein Buch gebastelt, das sich von vorne und von hinten blättern ließ – japanisch und deutsch.  Erste Gedichte erschienen 1985/1986 im "Konkursbuch" und  1987 ihr erstes Buch, das dem Streichholzschachtelbuch ähnlich gestaltet wurde.

Claudia Gehrke und Autor*innen reisten Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre auf die Kanarischen Inseln, dort entstanden erste Buchideen zu den Kanaren.

Regina Nössler hatte einen Vortrag mit Filmvorführung von Claudia Gehrke gehört, Ende der 80er oder Anfang der 90er Jahre. Irgendwann traute sie sich und schickte einen Text an den Verlag. Claudia Gehrke war begeistert davon, wie pointiert und voll bissigem Humor die Autorin in einem ihrer ersten Texte Abgründe und Ambivalenzen in Beziehungen schilderte, und veröffentlichte den Text  in "Mein heimliches Auge 7". Der Text war das erste Kapitel eines entstehenden Romans. Ein Briefwechsel zwischen Autorin und Verlegerin begann, zuerst per Post, dann per Fax, und heute per Mail. Kennengelernt haben sie sich erst nach Erscheinen des ersten Buchs.

 

Sigrun Casper kam mit einem literarischen Krimi, empfohlen von Mario Wirz, der seit heimliches Auge 9 in den Jahrbüchern publizierte.

 

Mein heimliches Auge 1 erschien in Folge von konkursbuch 6, Erotik, 1982, erste Fotobücher erschienen 1988. Cléo Uebelmann, Krista Beinstein, später kamen Thomas Karsten und Anja Müller hinzu. Anja Müller hat als eines ihrer ersten fotografischen Projekte Paare beim Sex fotografiert. Es ging ihr darum, Nähe und Intimität zu zeigen. Sie veröffentlichte erste Bilder in "Mein heimliches Auge 13", dann in der "Siegessäule", danach kam ihr Fotobuch "Frauen". Thomas Karsten hatte ein Foto in konkursbuch 24 "Geschlechterverhältnisse" und kam auf der Buchmesse zu unserem Stand, mit einem Foto-/Interview-Buchprojekt über transsexuelle Menschen in Deutschland. Das Buch erschien 1994 (es ist vergriffen). Del La Grace Volcano, mit Fotos in der ersten Ausgabe von "Mein lesbisches Auge" (noch als Della Grace ), publizierte 2000 den Foto-Band über Körper in Zwischenstufen, intersexuelle Menschen, Drag Kings, Transsexuelle, auch Menschen, deren Körper sich nach einem Unfall und einer Krankheit verwandelt hat: "Sublime Mutations".

Die Reihe Liebesleben entsteht, später die Thrillerreihe. Fast alle der von uns verlegten FotografInnen und AutorInnen haben zuerst im "konkursbuch" oder im "heimlichen Auge" veröffentlicht. (Ebenso hatten auch viele inzwischen bekannte AutorInnen aus anderen Verlagen erste Veröffentlichungen in unseren „interaktiven" multisexuellen Jahrbüchern oder im konkursbuch).

 

Insofern wächst der Verlag wie ein Baum, eines kommt aus dem anderen, aber die Wurzeln sind noch immer vorhanden. 2011 erhielten wir den 10. Landespreis Baden-Württemberg für literarisch ambitionierte kleinere Verlage.

 

Mein heimliches Auge

Aus konkursbuch 6 (1980) mit dem Thema Erotik entwickelte sich das Jahrbuch "Mein heimliches Auge" (Nr. 1 erschien 1982, darauf in Dreijahresabständen die Nummern 2 und 3, ab der Nummer 3 erscheint es jährlich).  Während eines nächtlichen Gelages nach der Buchmesse enstand mitten einer Sammlung fröhlicher Fotos aus den 1920er Jahren die Idee eines begleitenden Bildbandes. So kam es zur Nummer eins.  Und in Folge zur gesamten Reihe. Autor Uve Schmidt, mit dessen Sammlung die Idee entstand, wurde Mitherausgeber der  von Beginn an "multisexuellen" Reihe.  Noch heute steuert er Vorworte bei.  Claudia Gehrke wollte Frauen und dem weiblichen Blick ein Forum geben. Anfangs war es schwer, Autorinnen und Künstlerinnen zu gewinnen, doch es wurden immer mehr: in der Ausgabe drei waren zwei Drittel der Beiträge von Frauen. 

Bis Nummer 20 wurden die Bücher zusammen mit dem Künstler und Layouter Günter H. Seidel (1929 bis 2005)  gestaltet. Wir erhielten Bilder im Original, Texte als Ausdruck, wählten aus und fotokopierten, vergrößert oder verkleinert, die Texte wurden gesetzt, ausgeschnitten. Aus diesen Einzelteilen klebte Günter Seidel Strecken des Layouts auf Papier mit Satzspiegelraster – manchmal fand er kein passendes Bild und skizzierte in eine Lücke, manchmal ließen wir die Skizzen. Claudia Gehrke ordnete die geklebten Doppelseiten in einer nächtlichen Aktion in eine Reihenfolge. Praktikantinnen halfen bei Auswahl und Zusammenstellung und Ausschneiden. Immer waren (und sind) die Blicke mehrerer Generationen und unterschiedlicher sexueller Orientierungen an der Zusammenstellung beteiligt. Die aufgeklebten Texte und Bilder dienten der Druckerei als Vorlage. Reprofotos der Originale wurden gemacht, aus den gesetzten Texten Filme, dann zusammenmontiert und aus den Filmmontagen Druckplatten gemacht. Erst ab etwa Nummer 18 ging es direkt vom PC über ein PDF auf die Platten.

 

"Losgelegt hatte Claudia Gehrke mit einem großen Versprechen: die in unserer christlich determinierten Kultur gefesselt und geknebelt gehaltenen Ausdrucksformen der körperlichen Sinnlichkeit (wieder ein-) zu üben. Etwas Erstaunliches sollte geschehen: es ist ihr gelungen, mit Fotografie und Bildender Kunst, Prosa und Lyrik jedweder sexuellen Inszenierung Raum zu schaffen, ohne den Eros zu zerstören." (Stuttgarter Zeitung)

1988 brandete die PorNO-Debatte auf. Claudia Gehrke wurde als Fachfrau auf Podien mit EMMA-Redakteurinnen eingeladen. Sie hielt auf dem Hearing der SPD anlässlich der Gesetzesinitiative von EMMA ein „brillantes Plädoyer für die Freiheit der erotischen Liebeskunst ... gegen die Zementierung der Opferrolle von Frauen" (FAZ). Das Buch "Frauen und Pornografie" (noch lieferbar als E-Book) erschien 1988, "Der Spiegel" machte daraufhin einen Titel zum Thema (und zitierte auch aus "Frauen und Pornographie", nicht immer mit Quellenangabe, was zu Ärger mit einer der Autorinnen führte), Claudia Gehrke publizierte in dieser Spiegelausgabe einen viel beachtetenText über "Kleine Bewegungen", darüber, wie Frauen Erotik darastellen. Später geriet das „Heimliche Auge" ins Visier einiger Privatankläger und Staatsanwälte und der Bundesprüfstelle. Es wurde  sowohl bei der Bundesprüfstelle wie in den Prozessen überzeugend als Kunst gewertet. Diese Prozesse allerdings brachten den Verlag an seine ökonomischen Grenzen. An die gerät er auch aus anderen Gründen immer wieder einmal: weil wir uns zu zu vielen oder zu luxuriös gestalteten Büchern verführen lassen ...

 

Für Herbst 2018 ist die Nummer 33 von "Mein heimliches Auge" in Vorbereitung.

 

Aus dem heimlichen Auge entstanden mein lesbisches und mein schwules Auge, wobei das heimliche Auge weiterhin "multissexuell" bleibt.

 

Kanarische Inseln und andere literarische Reisen

Seit 1985 entstehen aus "privater" Reiselust mit besonderem Bezug zur Insel La Palma Reisebücher und Literatur zu den kanarischen Inseln. Das erste Buch und zugleich der erste Reiseführer über die Insel La Palma erschien 1985, "das schönste Reisebuch aller Zeiten" formulierte das Berliner Magazin "tip". Das Buch ist zweisprachig, wir hielten es lieferbar, es ist heute ein Klassiker und demnächst wird es in einer erweiterten Neueausgabe wieder erscheinen. Danach erscheinen Reiselesebücher und Literatur kanarischer Autor*innen über alle Kanaren, Schwerpunkt blieb La Palma. Japanlesebücher und Literatur aus Korea kommen hinzu.

 

und die Feste

Die Fortsetzung des „Salons" waren zunächst jährliche Verlagstreffen mit Diskussionen und Essen und Tanzen. Auf diesen Festen entstanden Ideen für Bücher. Noch immer ist das Gespräch, der intensive Austausch der AutorInnen und KünstlerInnen untereinander wichtig für die Entstehung der Bücher, der Ideen, manches ist über Onlinekommunikation nicht möglich ... Wir veranstalten seit etwa 1996 immer wieder in Berlin, Tübingen, auf den Buchmessen in Frankfurt und in Leipzig  und in anderen Städten unsere Verlagsrevue LOVE BITES: Performances, erotische Tanzshow, Lesungen und Live-Musik und mehr. Außerdem LEsungen und auch zweisprachige Literaturabende mit Live-Musik auf den Kanarischen Inseln. Jede dieser Veranstaltungen birgt neben allen Anstrengungen und dem Adrenalin auf der Bühne und der Freude daran, wenn's dem Publikum gefällt, auch ideenzündende "Küchen- oder Autorücksitzgespräche".

 

Warum wir immer noch "konkursbuch Verlag" heißen

Wir schöpften zur Zeit der Verlagsgründung sozusagen aus der "Konkursmasse" der Ideen der Studentenbewegung, deren Organ (auch das gibt es heute noch bzw. immer wieder in anderen Verlagen neu) die Zeitschrift „Kursbuch" war. Die wollte sein wie das „Kursbuch" der Eisenbahn - aufschlagen und wissen, wie sich wohin, zu welchem Ort, bzw. zu welchem politschen Ziel, kommen lässt. Doch eindeutige „Kurse" waren nicht zu erkennen. Manche Verlage haben ihren zeitgeschichtlich motivierten Gründungsnamen geändert (z.B. Frauenbuchverlag und Roter Stern), manche heißen jetzt wie ihre Gründer... wir blieben unserem Namen treu und ergänzten den der Verlegerin. Wenn man will, vielleicht ist es auch etwas Antizauber: in manchen Kulturen werden Kinder z.B. "Kameldieb" genannt, einzig aus dem Grund, dass sie es nicht werden.

 

„Konkurs" im wirtschaftlichen Sinne heißt bekanntlich seit kurzem „Insolvenz" und hat noch andere Wortbedeutungen, die für das Konzept des Verlages auch heute noch von Bedeutung sind: „Konkurrieren" kommt von lat. zusammenlaufen/-treffen, aufeinanderstoßen. Und so läuft bei uns so manches auf den ersten Blick Unvereinbare zusammen.

Abschweifungen statt "Kurse".

 

Umblättern

Yoko Tawada hat in ihrem ersten Buch "Nur da wo du bist da ist nichts" geschrieben: „Bevor ein Kind das Lesen lernt, lernt es das Blättern … Das chinesische Schriftzeichen für Körper setzt sich zusammen aus den Zeichen für „Mensch" und „Buch". Heißt das, dass der Körper ein Buch ist, das nur in der Welt ist, wenn jemand in ihm blättert?"

 

Wir wünschen Ihnen in diesem Sinne viel Spaß beim Blättern durch Bücher und durch Körpe




Zum Programm:
Unser Verlag sei, so heißt es, spezialisiert auf Erotik von Frauen. Das stimmt. Es gibt erotische Romane, Fotobücher und Mein heimliches Auge, das „multisexuelle" erotische Jahrbuch, das die Entwicklungen zum Thema Sex, Lust und Liebe jedes Jahr aufs Neue vielfältig dokumentiert, mit seinen „Kindern", dem lesbischen und dem schwulen Auge. „Die vielen, vielen Seiten der Liebe, so frisch, authentisch und aktuell. Eine Wundertüte." (HZ)

Aber genauso sind wir spezialisiert auf allgemeine Belletristik, darunter queere Literatur, Romane, Prosa, Thriller und auch Lyrik, biografische Romane, geschrieben mit Selbstironie und Humor. Reiselesebücher, Bücher zwischen den Kulturen in unterschiedlicher Gestaltung: es gibt Hardcover, mit Fadenheftung, Schutzumschlag und Lesebändchen; kleine biegsame Bücher mit Klappen, Fadenheftung, manchmal Bildern und Beilagen. Manche Bücher sind mit kleinen grafischen Überraschungen gestaltet, die mit ihrem Thema zu tun haben. Und mit dem generellen Prinzip von Büchern: der Lust am Umblättern. Die inszenieren wir in vielen unserer Bücher.

Thriller
Thrillerreihe In fast allen unserer Thriller geht es um das, was sich zwischen Menschen auf "engstem Raum" abspielt, auf der Arbeit, im Urlaub, in Beziehungen, in der Familie. Die meisten der Thriller dieser Serie kommen ohne viel Blutvergießen und Gemetzel aus. Es steht das anfangs ganz „normale“ Alltagsgeschehen im Zentrum, die Spannung baut sich langsam (aber unausweichlich) auf, in den inneren Räumen, den Psychen der Beteiligten, durch ein Ereignis aus der Vergangenheit, das die Figuren einholt oder aus alltäglichen Situationen heraus, die sich plötzlich umkehren und zum Horror werden.

Schauplätze u.a.: süddeutschen Landschaften: "Kleiner toter Vogel" (Regina Nössler) - "Am Ende des Fegefeuers" (Litt Leweir) - Berlin: "Auf engstem Raum" und "Endlich daheim" (Regina Nössler); Migräne (Litt Leweir);  Frankreich : "Sommerkrimi " (Olive Feuerbach, mit dem erotischen Beiheft: Teresas Berichtsheft); die Insel La Palma: Wanderurlaub (Regina Nössler); Ruhrpott: Die Krimis von Anne Bax;  flaches Land  in Brandenburg: Die Stille nach dem Mord (Annette Berr, ihr Thriller war glauserpreisnominiert).


Liebesleben
--- Romane rund um das
Liebesleben und erotische Romane: Eine kleine Reihe mit Romanen, biegsam gestaltet, mit Fadenheftung und Klappen, manchmal Bildern. Sie handeln oft von der Zeit nach dem „Happy End", nachdem zwei Menschen also zusammengekommen sind, sie erzählen „überraschend ehrlich" von der Zwickmühle zwischen Sex und Liebe, in der jede/r schon einmal steckte, der Frage, ob sich wirklich zwei Lieben nebeneinander leben lassen; darüber, was das Liebesgefühl überhaupt ist, und ob es immer da ist oder ob man an einem Morgen einfach einmal neben dem geliebten Menschen aufwachen kann und das Gefühl ist verschwunden, für einen Tag, eine kurze Zeit, für immer - über die Wirkung alter Liebeserfahrungen in eine neue Liebe hinein, denn man fängt ja niemals bei „Null" an (z.b. "Dienstagsgefühle" und "Kerzenscheinphobie"von Regina Nössler), über die Wirkung der Vergangenheit überhaupt, denn nichts spielt im luftleeren Raum, auch die große und sehr erotisch-sexuell aufgeladene Liebe nicht (Ulrike Voss, Das dritte Mal) und über Grenzüberschretungen bei S/M, was passiert, wenn die Protagonistin nach immer wiede rneuen Kicks sucht (Phoebe Müller)


Gebundene Romane
Gebundene Romane gibt es in diesen Themenbereichen auch, so z.B. den Erotik-Thriller "Schwarzes Öl" von Annette Berr, den Roman über eine Altersliebe, "Gehen", von Adrian Zinn, den  Roman "Der Wortjongleur" über eine Kindheit in den 50ern/60ern und die Suche nach dem Vater, und die mutig-radikal subjektive erotische Prosa über das (Liebes-)Leben in Russland und Deutschland der russischen Autorin Marina Lioubaskina.


Graziler Wortzauber, zwischen den Kulturen
--- „grazilen Wortzauber", von Kurzprosa hin zu spannenden Schmökern und Sammelbänden mit Sachtexten, Bildern, Glossen, Geschichten zwischen den Kulturen (die bekannteste unserer Autorinnen in diesem Programmbereich ist
Yoko Tawada, zuletzt u.a. "Abenteuer der deutschen Grammatik" (Gedichte) und "Etüden im Schnee" (Roman) ), Reiselesebücher (zuletzt der Reiseführer durch 12 Monate "Geheimnisse der Insel La Palma" von Ines Dietrich) und anspruchsvolle Romane über die Kanarischen Inseln (z.B. Sabas Martín und eine neu gestaltete und bearbeitete Ausgabe des berühmten Romans „Mararía" von R. Arozarena) oder das umfangreiche zweisprachige Lesebuch - mit vielen Bildern - Canarias), Literarisch-essayistische Lesebücher zu Japan und Romane koreanischer Autoren. Gegenden jenseites und über Grenzen hinaus. So treffen im Buch „Canarias" reisende und kanarische Autoren und Künstler aus den unterschiedlichsten Zeiten aufeinander. Es geht um Emigration,  weil man sich anderswo ein besseres Leben verspricht oder in die Flucht getrieben wurde genauso wie um unser "Urlaubsreisen". In den Ostwestgeschichten von Sigrun Casper und Ina Paul treffen sich der Osten und der Westen.("Unterbrochene Schienen", Ostwestgeschichten v. Sigrun Casper, rund um Mauerbau und Mauerfall, "Im freien Fall" von Ina Paul, ein biografischer Roman)

Foto- und Kunstbücher
Und wir sind spezialisiert auf Fotobücher über Sinnlichkeit in allen Altern (z.B. das Buch "Mittendrin" von
Anja Müller mit erotischen Bildern von Frauen zwischen 45 und 55, oder 60+ mit Bildern von Frauen und Männern, Thomas Karsten fotografiert jüngere Frauen, die sich offen und mit großer Lust an sich zeigen) und Geschlechtergrenzüberschreitungen (z.B. das Fotobuch von Del LaGrace Volcano, Sublime Mutations) und auch Männerbilder (u.a. im Kunstband Trickster von Rinaldo Hopf und anderen),

Alltagsnahe Philosophie, Kulturgeschichte und Forschung in den konkursbüchern zu den unterschiedlichsten Themen,  u.a.Haare (konkursbuch 36), Haut (konkursbuch 41), Scham (konkursbuch 43), Familien-Bande" (konkursbuch 48); Außenseiter (konkursbuch 51), Liebe (konkursbuch 52), Geld (konkursbuch 53). In Arbeit: konkursbuch 54 zum Thema "Lüge" und ein Special anlässlich des 40sten Verlagsgeburtstages 2018  rund ums Thema Bücher und Lesen. Auch einzelne Sachbücher, wie "Don Quijotes Erben" zu europäischen Romanen von Jürgen Wertheimer und Gesprächsbände (z.B. zum Thema "Lange Lieben").

Unser Verlagsprogramm wird somit in einem fast altmodischen Sinn individuell zusammengestellt, die Verlegerin beschränkt sich nicht auf ein „Marktsegment" (obwohl das ökonomisch gesehen sicher sinnvoller wäre), sondern entwickelt im Gespräch mit AutorInnen, FreundInnen, freien und den zwei festen VerlagsmitarbeiterInnen vielfältige Buchprojekte aus überraschenden Bereichen.

Zum Beispiel hätte sie bis vor Kurzem nicht geglaubt, dass sie je ein Kochbuch machen würde. Doch  hat sie sich (denn sie isst und sie küsst gerne) verführen lassen: Kochen & Küssen von
Anne Bax & Claudia Böhm. Mit Gerichten zum Nachkochen (ohne Fleisch) und Geschichten zum Vorlesen (ohne Gemüse). Ein lesbisches Kochbuch. Beides ist natürlich auch von jeder anderen erotischen Konstellation zu genießen.

Und auch hätte sie nicht gedacht, dass sie als Verlegerin mutiger und provokanter Nacktheit auch einmal ein Fotobuch machen würde allein über die Reize weiblicher Gesichter. Doch das Fotobuch „Reize" der jungen türkischen Fotografin
Müjde Karaca aus Stuttgart. Darin geht es auch um die Offenheit zwischen den Kulturen.

Claudia Gehrke führt den immer klein gebliebenen Verlag mit „viel Leidenschaft" und großen ökonomischen Risiken in Tübingen. Berndt Milde betreut seit vielen Jahren den Mailorder-Buchversand des Verlags. Die Presse- und Öffentlichkeitsmitarbeiter*innen der letzten Jahre: Babett Taenzer, Sunita Sukhana und zur Zeit Florian Rogge. Als freie Lektorin u.a. Regina Nössler.



Foto Anja Müller

Kurzbiografie der Verlegerin
:

Claudia Gehrke, * 1.6.1953 (für Sternzeichenfans: Zwilling, Akzendent Krebs), aufgewachsen in Frankfurt/M, lebt in Tübingen. Studium Germanistik, Mathematik, Philosophie. Während des Studiums gestaltete sie von 1976 an in ihrer WG (in der Münzgasse 17, einem der ehemaligen Cottaschen Verlagshäuser) einen „Salon“. Jeden Mittwoch wurde an einem großen Tisch, der noch im Verlag existiert, opulent gegessen, Texte vorgelesen, debattiert und manchmal passierte auch Erotisches. Aus diesem Salon heraus entstand die Idee zum "konkursbuch"; die meisten hielten das jedoch für eine Tagträumerei. Claudia Gehrke gründete am 1.4.1978 den konkursbuch Verlag und arbeitete anfangs zusammen mit einem der Salon-Teilnehmer und WG-Genossen, dem Japanlogen Peter Pörtner. Peter Pörtner ging 1979 nach Japan und ist jetzt Japanologie-Professor in München, C.G. bleibt Verlegerin. Eigene Veröffentlichungen in Ausstellungskatalogen, Sammelbänden und Zeitschriften. Die ersten Jahre neben dem Verlag Arbeit an einer (nicht fertiggestellten) Promotion über Gegenwartslyrik, Referendarin und danach Teilzeit-Krankenhauslehrerin. Sie unterrichtete schwerkranke Jugendliche in den Tübinger Kliniken. Seit ca. 1983, „Vollzeit“-Verlegerin und Publizistin. (Themen des Verlags: alltagsnahe Kulturtheorie und Philosophie, allgemeine Literatur, erotische Literatur, Fotografie & Kunst, Liebesleben, Thriller über die Abgründe des Alltags, Reiseliteratur, vor allem zu den Kanarischen Inseln, Japan, Korea. Seit Beginn das Periodikum „konkursbuch“, seit 1982 das (multisexuelle) erotische Jahrbuch „Mein heimliches Auge“ mit seinen „Ablegern“  „Mein lesbisches Auge“ und „Mein schwules Auge“).

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