konkursbuch Verlag Claudia Gehrke
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Zur Zeit erscheinen in unserem Jahresprogramm:

Die erotischen Jahrbücher (Mein heimliches Auge, Mein lesbisches Auge, Mein schwules Auge), eine Ausgabe von „konkursbuch“, ein bis maximal zwei Bildbände und  8 bis 12 belletristische Titel: Lyrik, Romane, Erzählungen.

Darunter viele Bücher von Autorinnen und Autoren, die von uns entdeckt und jahre-, manche inzwischen auch schon jahrzehntelang, von uns betreut werden, wie zum Beispiel „der bekannteste literarische Geheimtipp“ Yoko Tawada, (Lyrik, Prosa, Literarische Essays, sie erhielt viele Literaturpreise), Regina Nössler (Romane, Thriller), Phoebe Müller (erotische Romane und Erzählungen), Anne Bax (Romane und Kurzgeschichten), Udo Oskar Rabsch (Romane), Sonja Ruf (Romane und Prosa), Sigrun Casper (Lyrik, Prosa, Erzählungen und Romane) u.a.. Es gibt natürlich auch Autorinnen, die nur ein oder zwei Bücher bei uns machen. Außerdem erscheinen Bücher zwischen den Kulturen, Übersetzungen und zweisprachige Bücher, Romane und Lyrik und umfangreiche literarische Lesebücher, vor allem zu den kanarischen Inseln, Japan und Korea.

 

Zum belletristischen Programm:

In unserem belletristischen Programm geht es um Grenzüberschreitungen zwischen Sprachen und Kulturen, zwischen Geschlechtern, Altern, zwischen Bild und Text. Romane, Lyrik, „graziler Wortzauber“ und Erzählungen spielen auf unterschiedliche Weise mit diesem sinnlichen „Zwischen“, wo auch Missverständnisse und Fehler neue Bedeutungen möglich machen wie in den Texten von Yoko Tawada. Armut oder grausame politische Systeme treiben Menschen in die Flucht, andere wandern aus dem Luxus aus, andere reisen zur Erholung, andere stürzen in die Leere. Was sich findet in der Bewegung des Wanderns, zerstörte Illusionen und Glücksmomente, davon handeln u.a. die Romane von Sabas Martín und auf sehr andere Weise auch die von Kim Young-ha. Und es geht auch um körperliche und emotionale Reisen.

Das „Zwischen“ hat immer auch Bedeutung in zwischenmenschlichen Beziehungen, die es natürlich nicht allein in der Liebe, sondern auch in der Arbeitswelt, im sozialen Leben gibt. So hat Regina Nössler in ihren Romanen „enge Räume“ zum Thema, die Romanhandlungen entfalten sich in räumlichen und zeitlichen Mikrokosmen: innerhalb langjähriger Liebesbeziehungen, oder in einem kleinen engen Laden, in dem Aushilfskräfte – bezahlt nur, wenn sie zu ihrer Schicht erscheinen, moderne Tagelöhner – auf engstem Raum arbeiten; oder in der Geschichte über eine Pubertät in einer Kleinstadt; oder – wie in ihrem aktuellen Roman „Wanderurlaub“ – innerhalb einer Gruppe von Menschen, die für einen begrenzten Zeitraum eng aneinandergeschweißt ist. Was sich in solchen zwischenmenschlichen Bereichen an sozialem Zündstoff aufbauen kann, zeigt sie eindrucksvoll und genau, ohne Effekthascherei und mit trockenem Humor. Und Phoebe Müller, „die Dichterin unter den erotischen Autorinnen“ (Petra) schreibt in poetisch-dichter Sprache von den erotischen Empfindungen an der Grenze, von Sexualität, die immer auch Gefahren birgt und wenig mit dem markkompatiblem „anything goes“ gemein hat.

Die Übersetzungen und literarischen Reiseführer handeln bisher vor allem von Japan, Korea und den Kanarischen Inseln.

Warum es diese drei Regionen sind, ließe sich vielleicht wie folgt begründen:

Japan: die deutsch und japanisch schreibende Autorin Yoko Tawada als Reisende zwischen den Kulturen. Japan bietet, sehr vereinfacht ausgedrückt, eine „andere“ Konstruktion des „Ich“, des Subjekts, der Schrift, der Zeichen, der Sprache, und der Blick aus dieser „anderen Konstruktion“ heraus macht auch „unsere“ Weise zu denken und sprechen bewusst. Auch die Ereignisse vom März 2011, das Beben, der Tsunami, die Atomkatastrophe von Fukushima haben, wenngleich aus der Aufmerksamkeit schon lange wieder verschwunden, weltweite Auswirkungen. Die Japan-Lesebücher über unterschiedliche Aspekte japanischer Kultur. „... gehören wohl zum Gründlichsten, Kenntnisreichsten und Kurzweiligsten, was es bei uns zu diesem Thema gibt.“ (Frankfurter Rundschau)

Kanaren: Die hier noch weitgehend unbekannte Literatur kanarischer Autoren und Autorinnen, einer Literatur vom Rande Europas, beschäftigt sich mit Themen, die auch für ganz Europa immer wichtiger werden. Diese Literatur dem Vergessen zu entreißen, ist ein Ziel unserer Reihe mit kanarischer Literatur. Die Kanaren sind hierzulande vor allem als sonniges Reiseziel bekannt, als Inseln des ewigen Frühlings etc. Dass sie an der Grenze zwischen Europa und nicht-Europa lagen und liegen, und was das im Detail bedeutet, das wissen die wenigsten. Auch nichts darüber, dass diese Inseln seit jeher Orte des Ankommens und Abschiednehmens sind, der Immigration und Emigration. Dass die Inseln ihre Bewohner in Zeiten der Dürre oft nicht ernähren konnten. Dass verschiedene Versuche, ihnen mit Monokulturen zu Reichtum zu verhelfen, scheiterten. Privater Grund der Verlegerin: sie reist seit Jahrzehnten regelmäßig auf die Kanaren.

Korea: Die Themen des geteilten Landes, das durch die Drohgesten aus Nordkorea gerade mal wieder im Licht der Aufmerksamkeit steht, sind uns hier nicht nur fremd. Süd-Korea ist hin- und hergerissen zwischen modernem Rationalismus und traditionellen Werten. Der Wandel zum elektronischen Zeitalter hat sich in rasender Geschwindigkeit vollzogen. Die Suche nach dem, was sich jenseits von Schein und Wahn als Wahrheit erweisen könnte, durchzieht die Geschichten des Autors Kim Young-ha wie ein roter Faden. Privater Grund der Verlegerin: Ihr Urgroßonkel war P. G. von Möllendorff, der erste westliche Berater des letzten Königs von Korea. Er arbeitete für eine moderate Öffnung des Landes allen Großmächten gegenüber, damit es nicht unter den Einfluss nur einer der Großmächte geriete, doch im Machtpoker der Zeit wurde gegen diesen für seine Zeit sehr modernen und zugleich koreafreundlichen Berater intrigiert, er wurde abgesetzt, auf eine Stelle nach China abgeschoben, und kam kurz vor einer möglichen Rückkehr als Berater nach Korea unter ungeklärten Umständen ums Leben.

„Die verlegerischen Entscheidungen orientieren sich nicht am Mainstream, sondern sind gesellschaftlichen Entwicklungen oft einen Schritt voraus. Seit drei Jahrzehnten ist es der Verlegerin Gehrke gelungen, ein qualitativ anspruchsvolles Programm aufzubauen und kontinuierlich weiter zu entwickeln. Der Verlag geht dabei neue interessante Verbindungen zu anderen Kultur- und Sprachkreisen ein. Hervorzuheben ist die jedem Titel angemessene, künstlerisch und handwerklich sichere Buchgestaltung.“ (Aus der Begründung der Jury zur Verleihung des Landespreises)

 

Zum erotischen Jahrbuch und den Foto- und Kunstbüchern

Seit über 30 Jahren gibt es das erotische Jahrbuch – das zum bekanntest Buch des Verlags und „heimlichen“ Bestseller avancierte – „Mein heimliches Auge“.  Die Jahrbücher sind eine Collage aus Erzählungen, Sachtexten und Kurzessay, Lyrik, Berichten aus dem Leben, Gesprächen und vielen Bildern: Fotografie und Kunst. So bieten sie Jahr für Jahr einen einmaligen Überblick und stellen internationale FotografInnen und KünstlerInnen vor, rund um das große Thema Liebe, Erotik, Sexualität, sie zeigen sowohl den Wandel wie auch Zeitloses. Seit 1998 erscheint auch das Jahrbuch „Mein lesbisches Auge“, das lesbisches Lieben und Leben dokumentiert, und seit 2003 „Mein schwules Auge“.

 

Zur Entstehung von „Mein heimliches Auge“

1980 erschien konkursbuch 6, Erotik, sozusagen die Nullnummer, mit einigen Schwarzweißabbildungen. Claudia Gehrke und der Frankfurter Schriftsteller (bekannt durch den legendären März-Verlag) Uve Schmidt entwickelten gemeinsam die Idee zu einem das konkursbuch 6 begleitenden „Bilderbuch“.

„Uve Schmidt hatte Kisten voll mit „Waschküchenpornografie.“ Bilder, auf denen die Lust immer deutlich zu sehen war, im doppelten Sinne:  Die Lust am neuen Medium Fotografie, das Vergnügen auf den Gesichtern – der Frauen wie der Männer. Diese alten Fotografien erinnerten mich an mein erstes voyeuristisches Erlebnis: im Schrank des Vaters hatten meine Schwester und ich alte Stripteasefilme entdeckt, und die uns dann heimlich angeschaut ... mir hat das viel Spaß gemacht, die Frauen, die sich lachend und mit den ruckelnden Bewegungen der alten Stummfilme auszogen. Mein weiblicher Voyeurismus bekam viel Stoff bei Uve Schmidt, die ganze Wohnung ein erotisches Kabinett, selbst die Spazierstöcke in Stiefeln waren inspirierend. Und was gab es sonst an erotischen Bildern: dümmlich anreizende Frauengesichter – eher lustlos als lustig – für weibliche Lust am Schauen nicht gerade erregend. So entwickelten Uve Schmidt und ich  inmitten der ausgebreiteten lustigen und lustvollen alten Fotos die Idee, ein Bilderbuch parallel zum Konkursbuch „Erotik“ zu machen – ein Bilderbuch, zu dem ich von Anfang an möglichst viele Frauen einladen wollte, um der Erotik ein weibliches Gesicht zu geben, und Uve Schmidt „Kulturschaffende“. Uve Schmidt schlug als Titel „Mein privates Auge“ vor, daraus machte ich „Mein heimliches Auge“...Und das „Jahrbuch der Erotik“, eine Collage aus Kunst, Fotografie, Satire, Erzählung, Lyrik, Essay war geboren .Sexualität als Thema in allen Facetten – jenseits der Schubladen. Sie dem Monopol de Pornographie entreißen, das wollten wir...“ (C. Gehrke, in „Ausgerechnet Bücher“, Berlin 1998)   1982 erschien dann „Mein heimliches Auge“, das 1985 einen ersten Folgeband erhielt „Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik II“, 1988 erschien die Nummer III und ab dann erschien es wirklich jährlich.

 „Losgelegt hatte Claudia Gehrke mit einem großen Versprechen: die in unserer christlich determinierten Kultur gefesselt und geknebelt gehaltenen Ausdrucksformen der körperlichen Sinnlichkeit (wieder ein-) zu üben. Etwas Erstaunliches sollte geschehen: es ist ihr gelungen, mit Fotografie und Bildender Kunst, Prosa und Lyrik jedweder sexuellen Inszenierung Raum zu schaffen, ohne den Eros zu zerstören.“ (Stuttgarter Zeitung)

 Das bekannteste Buch des Verlages erscheint also jedes Jahr aufs Neue. Jede Nummer des Jahrbuchs enthält ca. 250 bislang unveröffentlichte Bilder, Privatfotos, Gemälde, Zeichnungen, Fundsachen, deutliche und geheimnisvolle Bilder, Witz und romantischen Ernst, Erzählungen, Essays, Lyrik & Gespräche, zu einem großen Teil von Frauen. Die AutorInnen kommen aus allen Bereichen, von 18 bis 80 ... Eine Collage größtmöglicher Vielfalt der Sexualitäten, und der Arten, sie abzubilden in Text, Theorie & Bild. (Nr. 1 erschien 1982, im 33sten Jahr, 2015, erscheint die runde Nummer 30, da die ersten 3 Nummern in 3-Jahresabständen erschienen sind).

Jede Nummer hat kleine Themen, die vor allem in den biografischen Gesprächen ausgeführt werden. Diese Gespräche sind überraschend ehrlich sind, den Teilnehmern ist möglich ist, ein Pseudonym zu wählen. Die „scharfen“ Bilder werden meist zuerst wahrgenommen, doch nach und nach entpuppt sich das komplexe Wechselspiel von Text und Bild, von den einzelnen Beiträgen untereinander. Eine feine Kommunikation zwischen den einzelnen Bestandteilen der „Collage“ Mein heimliches Auge findet beim Blättern permanent statt. Man kann das AUGE überall aufschlagen und immer wieder neu lesen. Es zeigen sich die diskreten Bilder, die andere Bedeutungen in Konfrontation mit den „scharfen“ gewinnen und umgekehrt. Es gibt literarische Perlen neben schlichten tagebuchähnlichen Texten, philosophische Kurztexte neben deutlichen Gedichten 

Liebe Herausgeberin, lieber Herausgeber, das heimliche Auge hat doch für ein Bilderbuch viel zu viel Text, für Feministinnen zu viele Schwänze, für Schwule zu viele Frauen, für Lesben zu viele Männer, für Romantiker gibt’s zuviel Schmerz, für Sadomasochistinnen zuviel Herz! Veröffentlichen Sie doch mal was, das in irgendwelche Schubladen passt!!! (das war der ironische Wunsch eines Rezensenten) Das heimliche Auge kämpft seit Beginn für die Aufhebung der Schubladen: gegen das Berührungsverbot. Für die Vielsprachigkeit. 

 Kleine Veränderungen im Umgang mit dem Thema werden sichtbar, oft bevor sie als „Welle“ in den Medien auftauchen. Immer wieder gab es im AUGE – neben Beträgen bekannter AutorInnen Debüts  völlig unbekannter AutorInnen oder Essayistinnen, und manche von ihnen wurden später berühmt.

 Natürlich stieß das AUGE auf Widerspruch. Bereits die Nummer Eins setzte eine Lawine der Empörung in Gang. „SOWAS brauchen wir (so schrieb uns ein linker Buchladen) nicht!“ Pro- und Kontra-Plädoyers wogten durch die alternative Presse. Bücher wurden remittiert. Denn die Antworten der „Kulturschaffenden“ auf unsere Ausgangsfrage, was denn für sie erotisch sei, waren nicht nur sanft und nett und zart, sondern auch derb. Die Reaktionen aus Presse & Briefen publizierten wir in der (vergriffenen) Broschüre „Schweinkram“. Natürlich gab es damals bis heute viele gute Pressereaktionen.  Die ZEIT schrieb von „Lust & Liebe“ und empfahl „Mein heimliches Auge“ als Weihnachtsgeschenk, die Stuttgarter Nachrichten befanden: „Undomestizierte Erotik, frech und ohne Harmoniesüchtelei“ und vor Kurzem, 2013, lobte Ursula März in der „Zeit“ das „Heimliche Auge“ für seine jahrzehntelange ästhetische Geradlinigkeit.

Ende der 1980er Jahre brandete die PorNOdebatte auf. Der konkursbuchverlag publizierte das vielbeachtete Buch „Frauen und Pornographie“ mit Texten über das Verhältnis von Frauen zu deutlichen sexuellen Bildern, darunter Beiträge von Elfriede Jelinek, Cora Stefan, der Rechtsanwältin Jutta Bahr-Jendgens u.v.a. Die Bilderflut der herrschenden Pornografie durch Gesetze zu unterlaufen, war EMMAs Anliegen, diese Bilderflut anarchisch und subversiv zu unterlaufen durch die Produktion eigener Bilder, war die Position von Claudia Gehrke. Sie wurde als Sachverständige zum SPD-Hearing anlässlich der Gesetzesinitiative von EMMA eingeladen, hält dort ein „brillantes Plädoyer gegen die Zementierung der Opferrolle von Frauen“ (FAZ),  der Spiegel macht „Frauen und Pornografie“ zum Titelthema, Claudia Gehrke verfasste dafür einen vielbeachteten Beitrag. Auf großen Veranstaltungen quer durchs Land diskutierte sie mit EMMA-Redakteurinnen und anderen „Fachfrauen“. Noch heute ist „Mein heimliches Auge“ Anlass, die Verlegerin in Kulturzentren, Frauenkulturhäuser, Universitäten & Sender einzuladen.

 Später geriet das „Heimliche Auge“ ins Visier einiger Privatverfolger, Staatsanwälte und der Bundesprüfstelle – es wurde jedoch sowohl bei der Bundesprüfstelle wie in den Prozessen überzeugend als Kunst gewertet. Diese Prozesse allerdings brachten den Verlag an seine – ökonomischen – Grenzen. An die gerät er auch aus anderen Gründen immer wieder einmal. Weil wir uns in der Auswahl des Programms nicht von marktwirtschaftlichen Vorgaben leiten lassen. Ein Anlass der ersten Anzeigen war übrigens eine doppelbödige Rotkäppchen-Satire.

Die erotischen Fotobände zeigen selbstbewusste Frauen – manchmal auch Männer und Paare –  die sich mit „Lust an sich selbst“, am eigenen Körper in frechen, fröhlichen Altfotos zeigen, ohne Selbst-Zensur. Es gibt auch einen Band der türkischen Fotografin Müjde Karaca, in dem es nicht um den „ganzen“ Körper sondern um die Schönheit von Gesichtern geht, um Frauenportraits aus den unterschiedlichen Kulturen. Und vereinzelt Bücher mit Zeichnungen und Gemälden.

Die Fotografin Anja Müller wurde bekannt mit ihren einfühlsamen erotischen Portraits älterer Menschen. Für ihrem Fotoband „Mittendrin“ fotografierte sie Frauen zwischen 45 und 55,  auf der Schwelle zwischen Jung und Alt, inmitten der „zweiten Pubertät“, mit all ihren Unsicherheiten dem eigenen Körper gegenüber, und für „Sechzig plus“ Menschen über Sechzig, die sich leicht und fröhlich zeigen, jenseits der Schwelle. Begleitet wurden die Bilder von Texten zum Thema Älterwerden, erotische Bilder und Körper, u.a. von unseren „literarischen“ Autorinnen Yoko Tawada und Sigrun Casper und der Verlegerin selbst.2015 hat sie einen Band mit nahen Bildern von Paaren in Arbeit.

Diverse Medienwellen rollten vorüber, der Verlag widmete sich der Erotik von Anfang an und wird sich ihr weiterhin entschieden widmen, ebenso seinen anderen Schwerpunkten, dem Wortzauber, den Ambivalenzen des (Liebes-)Alltags, den Reisen zwischen den Kulturen und Sprachen.

Erotik ist nicht nur auf „Sex und Liebe“ beschränkt, sondern findet sich auch in der Gestaltung von Büchern, denn schon das „Umblättern“ selbst ist erotisch, die Momente der Spannung beim Blättern, die Überraschungen nach dem Blättern, die wir in den erotischen Jahrbüchern zwischen schon zwischen Cover und S. 1 einbauen, aber auch in anderen – nicht direkt erotischen – Büchern auftauchen lassen. Yoko Tawada schrieb in ihrem ersten Buch „Nur da wo du bist da ist nichts“: Ich habe eine an Wahnsinn grenzende Leidenschaft für Bücher. Keine literarischen Werke, ich meine die imaginären Bücher, die noch nicht geschrieben sind, noch nicht gebunden sind, in denen wir im Traum fortwährend blättern, ohne sie verstehen zu können … Bevor ein Kind das Lesen lernt, lernt es das Blättern … Nicht das Lesen macht Spaß, sondern das Blättern. In meiner Volksschule herrschte einmal die Mode, die Röcke der Mädchen umzuschlagen, wie man die Seiten in einem Buch umblättert. Wahrscheinlich nicht, um irgendetwas zu sehen, das Umschlagen der Röcke selbst war das Ziel … Es müsste also Bücher nur zum Blättern geben … Das chinesische Schriftzeichen für Körper setzt sich zusammen aus den Zeichen für „Mensch“ und „Buch“, heißt das, dass der Körper ein Buch ist, das nur in der Welt ist, wenn jemand in ihm blättert ...