Kleine Leseproben

 

1.

Hilke sah in Monikas Gesicht wie in einen wolkenlosen Himmel, einen See. Als wollte sie Monika nicht sehen sondern trinken. Und Monika, statt wegzugehen, gab diesen Blick zurück. So war es ihnen einige Zeit nicht möglich, zu sprechen.

 

2.

Sie hatte das zu warm gewordene Federbett vom Leib gestreift, lag davor auf der Seite, sah aus wie aus einem wolkigen weißen Stein gehauen. Eine geschwungene Linie hinab zur Taille und hinauf zur Hüfte,  die Hüfte umrundend, in den Beinen auslaufend -. Monikas Brüste lagen weich übereinander neben dem Ellbogen des rechten Arms. Der linke Arm war in ihren Rücken gestreckt, dadurch war die Schulter herausgehoben und glänzte im Licht.

Hilke stand auf, streckte sich, wobei es – ohne dass sie das wollte -, in den Gelenken knackte.

Monika setzte sich hoch, fast noch mit geschlossenen Augen und wusste sofort, wo sie war, und wie die Dinge um sie herum angeordnet waren. Ihre rechte Wange, die in ihrer Hand gelegen hatte, war rot, ihr Haar auf dieser Seite eingedrückt. Hilke lachte sie an.

 

3.

Bald gewöhnte sich Monika an, auch tagsüber zu schlafen, um die Nächte auszugleichen, die sie mit Hilke durchwacht, die sie durchtanzt hatte.

Sie packte sich in den Schlaf wie zwischen zwei Raubzügen, zu jeder beliebigen Zeit, nackt oder in den Kleidern.

Wurde sie dann an das Flurtelefon geholt, so hörten es die Eltern ihrer Stimme an, dass sie eben noch geschlafen hatte, da konnte sie aus dem Weg aus dem Bett und über den Flur noch so laut Zahlen vor sich hinsagen. „Ja?“, sagte sie nur, und „Haben wir dich geweckt?“ die Eltern.

Bald hatte sie einen Zettel an der Tür hängen: „Ich schlafe“ und wurde nicht mehr gestört.

Aber kaum wurde sie wach, so ging sie in die Küche, setzte sich an den Tisch, die Abdrücke vom Kissen an den Wangen, mit heißem Gesicht und zerbauschtem Haar, mit halb geschlossenen Augen.

Sie liebte es, das Aufwachen in Gesellschaft ihrer Nachbarn zu erleben, und manchmal erzählte sie Träume, aber meistens schwieg sie, und die Gesichter der anderen waren für sie wie die Fortsetzung dieser Träume...

 

4.

Sie legt sich auf das Dach, schließt die Augen und richtet sich nach der Sonne aus. Hier oben weht immer ein leichter Wind, so dass sie ihr Liegen im Licht bis zum Äußersten treiben, auch in der größten Hitze es dort aushalten kann.

Sie dreht sich auf den Bauch und öffnet die Augen. Zunächst ist die Welt blau und grau. Der Boden der Dachterrasse scheint sich leicht zu heben und zu senken. Allmählich werden die Moose und Gräser in den Fugen zwischen den Steinplatten wieder grün.

Sie blickt ihre Hände, ihre Arme, die feucht glänzende Haut an, und es scheint ihr, ihre Hände seien orange und weich geworden, kraftlos, die Finger flüssig...