Das
männliche Geschlecht wird bis in die Gegenwart hinein mit Macht
assoziiert, oder mit Lächerlichkeit. Es gibt einen sexuellen,
begehrlichen Blick schwuler Männer auf das Geschlecht, es gibt
entsprechend Bilder schwuler Pin-Ups; es gibt auch einen sexuellen
Blick von Frauen &endash; aber eigentlich nur im konkreten Akt
&endash; während sie vorher und nachher das männliche
Geschlecht übersehen möchten. Am erotischsten finde
ich Jungs in Boxershorts, nicht so enge, das Bein muss ein bisschen
weit sein. Ne, auf den Schwanz gucke ich nicht, nackt finde ich sie
nie erotisch." (Sarah G., 20, in einem Interview 2003) Während
das weibliche Geschlecht eher als Geheimnis" mystifiziert wird,
und damit ebenfalls kaum unabhängig sexueller und anderer
Konnotationen als selbstverständlich schönes Bild &endash;
wie etwa ein Portrait eines Gesichtes - betrachtet wird, denkt man
vom männlichen Geschlecht als Heimlichkeit": Der
Männerschwanz aber, das nach außen gekehrte Geschlecht,
ist erschreckend sichtbar. Das Vorzeigen des kleinen schlappen
Schläuchleins mit der in Falten liegenden Außenhaut
kündigt das Einverständnis mit dem herrschenden Prinzip und
zeigt: Dies ist kein Machtorgan! Die Ausstellung des steifen
Schwanzes aber hat es noch schwerer, die unterliegt in hoffnungsloser
Konkurrenz. Dieser erigierte glänzende Pimmel, so imposant er
sein mag, soll das Gesetz sein, die Macht. Das ist ein Witz." (So
beschrieb dieses Dilemma treffend Klaus Theweleit Ende der 70er Jahre
in Heimlichkeiten der Männer".).
Doch die Geschlechter, weibliche wie männliche, haben eine von
all diesen Konnotationen unabhängige und individuelle
Schönheit, die es heute noch immer zu entdecken gilt.
Saldivar gelingt es in seinen hundert traumhaften Portraits, dem
männlichen Geschlecht diese selbstverständliche
Schönheit zu geben, unabhängig sexueller
Konnotationen."
(Prof. Gerburg Treusch-Dieter)
La visión romántica implícita en cada una de
estas fotografías exorciza la connotación sexual y me
permite construir una serie de imágenes, cándidas o
sensuales, sin llegar a lo pornográfico.
Der romantische Blick, der in jeder dieser Fotografien enthalten
ist, vertreibt die sexuelle Komponente und ermöglicht es mir so,
eine Bilderserie zu schaffen - unschuldig und sinnlich -, ohne
pornographisch zu sein.
The romantic view latent in each photographic act drives out the
sexual connotations, which lets me create a series of images,
innocent and sensual, without being pornographic. (César
Saldívar)
Saldívar fasziniert dieses Organ, er bewundert es, findet es
ganz offensichtlich und uneingeschränkt schön, wenn er
seine physikalischen Eigenschaften, Form, Textur, Größe,
mit Gegenständen des Spiels und des täglichen Lebens
vergleicht. Er verzichtet auf den fetischistischen Ernst
Mapplethorpes oder den systemischen Naturalismus eines Martin
Kautter. Fordert Mapplethorpe zur Distanz auf und wird der Schwanz
zur klassizistischen Skulptur, so lädt Saldívar den
Betrachter zum Nähertreten ein. Saldívar ist nicht an der
Groteske interessiert, sondern an der Schönheit des Organs.
A Saldívar le fascina este órgano, lo admira y lo
encuentra ostensible y absolutamente hermoso cuando compara sus
características físicas, su forma, textura y
tamaño con objetos lúdicos y cotidianos. Renuncia a la
gravedad fetichista de Mapplethorpe o al naturalismo sistémico
de un Martin Kautter. Mientras Mapplethorpe exhorta a la distancia
haciendo del pene una escultura clasicista, Saldívar invita al
expectador a acercarse.
Saldivar is fascinated by this organ, admiring it, finding it as
unable to overlook as it is unlimited in its beauty, as when he
compares its physical features, form, texture and size with
playthings and everyday objects. He has no time for the stern
fetishism of a Mapplethorpe or the systemic naturalism of a Martin
Kautter If Mapplethorpe insists on distance, turning the prick into
classicistic sculpture, Saldivar invites the beholder to move closer.
Saldivar's interest sees past the grotesque side of the male organ,
for him only its beauty counts (Prof.Peter Weiermair)
Ante cada fotografía de César Saldívar, tiemblo
porque siento que meto los ojos en la verdad prohibida. Y percibo
seres-pájaro con las alas mutiladas más allá de
los supuestos, de las payasadas del ego, de las vaginas y de los
falos henchidos de tinieblas fragantes y venenosas.
Vor jedem Foto von Cesar Saldivar erbebe ich, weil ich spüre,
daß ich im Begriff bin, den Blick auf die verbotene Wahrheit zu
richten. Ich nehme Vogelwesen mit gestutzten Flügeln wahr,
jenseits der vorgeblichen Clownerien des Egos, der Vaginen und
Phalli, die von süßen und giftigen Dunkelheiten
angeschwollen sind.
Standing before each photo by Cesar Saldivar, I tremble at
catching myself gazing on the forbidden truth. I perceive bird-like
beings with mutilated wings, beyond those pretenders, the clownings
of the ego, of the vaginas and phalluses puffed up with fragrant and
toxic gloom.
(Alejandro Jodorowski, director de cine)