Liebe
Freundinnen & Freunde des Verlages,
Etwas mehr zum Programm und zur Geschichte des Verlags finden
Sie im "Kurzporträt".
Wir verlegen Fotografie,
Kunst, allgemeine Literatur, eine Reihe zum Thema "Liebesleben",
erotische Bücher und eine Serie mit Thrillern,
Essays und ausgewählte "Reise-Literatur " (eine Serie mit
Büchern zu Japan,
eine zu den
kanarischen Inseln
, zu Korea). In diesen Büchern - z. B. spannende Romane,
Schmöker und Sammelbände mit Sachtexten, Glossen, Bildern,
Geschichten, Gedichten, Gesprächen, auch Fotobücher
"zwischen den Kulturen" - geht es oft um Emigration, darum, einer
anderen Kultur zu begegnen, um Kommunikation in unterschiedlichen
Sprachen, die Begegnung von Bild und Sprache, wo
Missverständnisse und Fehler neue Bedeutungen möglich
machen. Unterschiedliche, teils grausame poltische Systeme treiben
Menschen in die Flucht, andere wandern aus dem Luxus aus, weil sie
sich anderswo ein erfüllteres Leben versprechen. Ob und was sich
findet in der Bewegung des Wanderns, auch davon handeln diese
Bücher. Und es geht auch um körperliche und emotionale
Begegnungen, das "Wandern" zwischen Menschen, zwischen Frauen,
zwischen Geschlechtern, um das Überschreiten von
Geschlechtergrenzen, um queere Lebenswelt und Kultur ...
Seit 1978 erscheint die Reihe konkursbuch"
(aktuelle Themen: konkursbuch 46 "Angst", konkursbuch 47 "Der
erotische Blick", konkursbuch 48 "Familien-Bande") - Seit vielen
Jahren erscheinen in unregelmäßigen Abständen die
"Japan-Lesebücher" und die kanarische Bücher, seit 1982
erscheint Mein
heimliches Auge.
Das Jahrbuch der Erotik", seit 1998 (sozusagen als "Kinder" der
mutlisexuellen Mutter "heimliches Auge") die Jahrbücher
"Mein
lesbisches Auge"
und "Mein
schwules Auge".
Yoko
Tawada schrieb in
ihrem ersten Buch "Nur da wo du bist da ist nichts":
"
ich habe eine an Wahnsinn grenzende Leidenschaft für
Bücher. Keine literarischen Werke, ich meine die imaginären
'Bücher', die noch nicht geschrieben sind, noch nicht gebunden
sind, in denen wir im Traum fortwährend blättern, ohne sie
verstehen zu können
Bevor ein Kind das Lesen lernt,
lernt es das Blättern
Nicht das Lesen macht
Spaß, sondern das Blättern. In meiner Volksschule
herrschte einmal die Mode, die Röcke der Mädchen
umzuschlagen, wie man die Seiten in einem Buch umblättert.
Wahrscheinlich nicht, um irgend etwas zu sehen, das Umschlagen der
Röcke selbst war das Ziel
Es müßte also
Bücher nur zum Blättern geben
Das chinesische
Schriftzeichen für Körper setzt sich zusammen aus den
Zeichen für Mensch" und Buch".. heißt das,
dass der Körper ein Buch ist, das nur in der Welt ist, wenn
jemand in ihm blättert..."
Es geht in den verschiedenen Bereichen um
"Grenzüberschreitungen" zwischen Sehnsucht und
Alltagsrealität, zwischen Traum und Erwachen, zwischen den
Sprachen und Kulturen, zwischen den Geschlechtern, den Altersstufen,
zwischen Bild und Text. Selbstverständlich geht es nicht in
allen der von uns verlegten Bücher in direktem Sinne um Erotik.
Doch alle unsere Bücher spielen mit diesem sinnlichen
Zwischen". Häufig entpuppt sich die sprachliche Erotik an
den Grenzen - entdeckt von Autorinnen, die zwischen Sprachen,
Kulturen oder Geschlechtern leben
Lesen und Sehen und Träumen hängen zusammen. Texte kann
man abschweifend begleiten. Eigene Bilder dazu finden. Die Bilder in
unseren Büchern illustrieren selten direkt - sondern schaffen
eine parallele oder gegenläufige Ebene. Beim Heimlichen
Auge ist die
Lust am Blättern schon zwischen Titel und der ersten Seite
enthalten
und überhaupt, wer das Auge
das erste Mal blättert, sieht nur die "scharfen" Bilder, und
beim zweiten Blättern enthüllen sich die zarten Bilder, die
melancholischen, philosophischen - oder umgekehrt. Man kann die
Bücher immer wieder neu durchblättern, lesen,
anschauen.
In der von uns verlegten Literatur und Fotografie gibt es eine
warmherzige Nähe zu den Figuren im Text oder auf dem Bild.
Bilder in unseren erotischen Fotobänden sind nicht cool
objektiviert, glatt. Die Dargestellten werden auch in ihren
Schwächen sympathisch. Die AutorInnen des Verlages benennen
Details des Liebesleben, schreiben über Ambvalenzen, auch
Details des sexuellen Spiels, unverkrampft, mit sensibler
Leichtigkeit" und viel Witz erzählen sie von den Fallen der
Liebe. Dass jedes sexuelle Abenteuer auch eines des Gefühls
bedeutet, zeigen sie variantenreich und voll Fantasie.
Unser Motto:
Keine Untergangsphilosophie, sondern aus der Konkurs-Masse der
Ideen, Träume, Utopien schöpfen. Keine Kurse - sondern
Abschweifungen.
Erotik, Literatur, das Reisen zwischen verschiedenen Welten. Gegen
die Trennung in saubere Schubladen.
Zu unserem erotischen Programm:
Gute Sexualität ist Kunst. Erotik ist verwoben in alle
Lebensbereiche... und Denken kann erotisch sein.
So geht es um die Konfrontation von Privatem und Politik,
Literatur und Bildern, von Sex und Denken, Sinnlichkeit und
Vernunft
Momente von Lust, die nicht aufgesogen
werden von der Totalität unserer "Marktgesellschaft", Sekunden
der verzauberten Zeit ...
Bücher selbst sind sinnliche Objekte: die Lust des
Blätterns wird in Büchern inszeniert. Wir spielen mit
der Inszenierung des Blätterns. Das Gefühl, ein Buch zu
öffnen und durchzublättern, ist vielleicht vergleichbar mit
dem Moment, ein Geschenk auszupacken und noch nicht genau zu wissen,
was darin ist. Papier raschelt, riecht und fühlt sich
verschieden an.
Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim
Blättern...
Ihre Claudia Gehrke &
Konkursbuchteam
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Fragen
an die Verlegerin?
Liebe Claudia Gehrke, es tut mir leid für Sie, wenn Schlachten, die nicht nur für die Grundsätze der Ästhetik, sondern auch diejenigen der modernen Rechtssprechung längst geschlagen sind, immer wieder ausgetragen werden müssen - nicht etwa auf dem breiten Rücken des grenzüberschreitenden Porno-Vertriebs, sondern auf dem empfindlichen Rücken eines kleinen Kunst-Verlags, der, in der Tat, auch rechtsirrtümlich und gegen alle liberale Vernunft ganz leicht gebrochen werden kann - als hätten wir zuviele davon, und als wäre der ökonomische Zwang der passende Vollstrecker für die sittliche Entrüstung. ... Ich kenne die Kontexte, die der Konkursbuchverlag herstellt, ein Verlag, der Autorinnen vom Range Yoko Tawadas veröffentlicht; ich verdanke ihm viel an Einsichten, Anregungen, Provokationen, und unter diesen ist natürlich die erotische nicht die Geringste - wie alles für die menschliche Existenz Grundlegende."
schrieb uns
Adolf Muschg anläßlich unserer lang andauernden
juristischen Probleme mit unserem erotischen Programm.
Der Filmemacher Wim Wenders schrieb über Yoko Tawadas
Buch Talisman":
Auf dieser ganzen abenteuerlichen Reise erfährt man so viel über "uns", über "sich", daß man dabei fast übersieht, daß man am Ende plötzlich mehr über Japan weiß, als man je dort "vor Ort" gesehen und gelernt hat. Und erst hier, an dieser Schnittstelle, tut sich auf, was es mit diesem Buch auf sich hat: Es spielt nicht in Rothenburg ob der Tauber, in Hamburg oder in Tokyo. Es handelt nicht von "Europa" versus "Asien", oder umgekehrt. Es ist ein Buch aus dem Niemandsland, da, wo kein Wort und kein Name und kein Zeichen mehr etwas bedeutet, sondern wo alles in Frage gestellt ist, und wo nur das Empfinden, das Erfahren, das Sprechen selber zählt. Und dann wird dieser kleine Band plötzlich so etwas wie ein Modell von utopischem Erzählen und von utopischem Reisen. Und weil es schönere Bücher gar nicht geben kann, halte ich meinen imaginären Hut ganz weit ausgestreckt, fast auf dem Boden, und freue mich, am Ende dieser Flugreise von Berlin nach Los Angeles, auf all das, was ich bald, durch dieses Buch, anders werde sehen können.
Geboren in Berlin, aufgewachsen in Frankfurt/M, Studium Germanistik, Philosophie, Mathematik, 1. u. 2.Staatsexamen, Literarischer "Mittwochs-Salon" 1977-1982, aus dem heraus der Verlag gegründet wurde. Noch heute finden unregelmäßig große Verlagstreffen mit Vorträgen, Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen, Festen statt. Noch während des Studiums am 1.4. 1978 Gründung des Verlages (mit "konkursbuch. Zeitschrift für Vernunftkritik") .zusammen mit Peter Pörtner, der 1979 nach Japan ging und jetzt Leiter des Japan-Zentrums in München ist und im Verlag von Claudia Gehrke die Japan-Reihe betreut. Bis 1982 neben dem Verlag stundenweise Arbeit in Krankenhäusern als Lehrerin für schwerkranke Jugendliche, seither Verlegerin und Publizistin.
Eigene Publikationen in Anthologien, Kunstkatalogen, Zeitschriften in den Bereichen Kunst, Frauen, Erotik, Geschichte erotischer Subkulturen von der Antike an, Herausgabe diverser Anthologien.
PS:
Von einer Zeitung wurde ich aus Anlass eines runden
Verlagsjubiläums um Verlegerinnen-Charts" gebeten - hier
sind sie:
Das meist verkaufte Buch:
Mein
heimliches Auge. Das Jahrbuch der
Erotik" - weil
äußerst vielschichtig. Für jede und jeden ist etwas
dabei. Und weil man Toleranz lernt gegenüber allen Formen von
Liebe, Lust, Leidenschaft, Sexualität und den ganzen
Gefühlen drumherum - auch wenn es nicht die eigenen sind.
Das teuerste Buch:
Brigitte
Maria Mayer,perfect
sister II" - weil auf Zwiebelpapier gedruckt wurde, es Bilder in
Goldton und aufklappbare Seiten gibt. Das teuerste Papier haben
allerdings Th. Karstens Fotobücher Days
of Intimacy".
"Heat" und "She".
Das pädagogisch wertvollste Buch:
Udo Rabsch, Julius
oder der schwarze Sommer"
- weil man hier aus der kleinen" Perspektive eines davon
plötzlich Überraschten lernt, was passiert, wenn andere
anfangen, einen Krieg im Schwäbischen zu führen und eine
Bombe fällt (in diesem Fall eine Atombombe - die 1. Auflage
erschien in den 1980ern, wurde gut besprochen, und lässt sich
heute wieder lesen.) und neu Udo Rabschs "Maria vom Schnee" über
ein schwäbisches Dorf der 50er Jahre im Winter und ein
ungeklärtes Verbrechen.
Das besprochenste Buch:
Dagmar Fedderke, Die
Geschichte mit A."
- weil das der erste literarisch anspruchsvolle Frauenporno"
aus Paris war - (der übrigens noch heute gerne gelesen wird,
inzwischen in der 8ten Auflage).
Das heimlichste Buch:
Regina Nössler,Wahrheit
oder Pflicht" -
ein Pubertätsroman: lesen, erinnern, lachen - egal welches
Alter, jede findet sich darin wieder. Sicherheitsabstand zur
Pubertät sollte eingehalten werden. Heimlich" deswegen,
weil es von den großen Magazinen, die irgendwann alle etwas zur
Pubertät brachten, meist immer übersehen wurde.
Das erotischste Buch:
viele der Bücher von Yoko
Tawada - weil sie
als BÜCHER selbst erotisch sind: das Papier, transparente
Zwischenseiten, japanische Zeichen, verschiedene Möglichkeiten
zu blättern - so wie die Autorin Wörter und Sprachschichten
sinnlich werden lässt. Yoko
Tawada
schreibt, als würde man gleichzeitig träumen und hellwach
sein.
Das poetischste Buch
Sigrun Caspers Roman "Salz
& Schmetterling" -
weil hier eine Liebesgeschichte durch Gedichte losgeht. Und
natürlich die Bücher mit Gedichten...
Das lustigste Buch:
Regina Nössler,Eifersüchtig
durch den Winter"
- weil man über Eigenschaften lachen kann, die jede/r hat und
keine/r an sich wahrhaben möchte - und Harald Körke,
Noch
ein verdammter Tag im Paradies"
(gerade in 8. Aufl. erschienen) - weil die Aussteiger so sympathisch
scheitern (und man nach der Lektüre nicht mehr bedauert, dass
man selbst hier arbeiten muss und nicht auf einer sonnigen Insel
leben kann.)
Das wichtigste Buch:
konkursbuch
(Nr.1, Vernunft & Emanzipation) - weil es ohne konkursbuch alle
anderen Bücher nicht gäbe.
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